Fründliche Scherereien


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Kindergeburtstag

Welch ein schönes und brisantes Thema! Alljährlich wiederkehrend, immer so überraschend wie Weihnachten vor der Tür steht. 😉 – die Kindergeburtstage. Jedes Jahr wieder eine neue Herausforderung, denn die Kinder sind größer geworden, finden Schatzsuche je nach Tagesform megacool oder megapeinlich. Wollen Tischdeko aber nicht so rosa wie im letzten Jahr, weil jetzt ist die Lieblingsfarbe ja blau….Schlage einen Fischegeburtstag vor…“Mit Fischstäbchenessen?! – Auf keinen FALL!“ (Auch nicht als Variante mit Stäbchen Fisch essen. 😉 Also bewege ich mich als perfektionierte Mutter in einem Wahn aus Geschenkebesorgen (welches vor allem aus guten Vorschlägen für andere besteht, die ja dem Kind auf jeden Fall eine große Freude machen wollen), aus Diskussionen, wieviele man so einladen darf und was man denn so erleben will. Vieles will bedacht sein; „Wenn ich Robert einlade, muss aber sein bester Freund Klaus auch mit, sonst kommt der Robert erst gar nicht.“ Klaus steht aber in dem Ruf, regelmäßig Türen und Schränke zu zerlegen, einfach weil er mal gucken will, wie die Teile verschraubt sind. Nele und Karina verstehen sich überhaupt nicht, sind aber „alle beide meine besten Freundinnen“ und stoppen eifersüchtig die Zeit, die sie auf dem Platz neben dem Geburtstagskind verbringen. Melissa will regelmäßig kein einiziges Spiel mitmachen und Carola kann bei Siedler nicht verlieren. Anton mag keine Würstchen und Max hat eine Fructoseallergie.

Und nun stellt Euch vor, es ist der Tag vor dem Großereignis. Wunderbarer Geruch strömt aus dem Backofen. Ein Traum von Rührteig geht in der neuen Gugelhupfform im Backofen auf. Stolz sehe ich mich in meiner Phantasie das Meisterwerk mit Puderzucker bestreuen und mit Zuckerschrift verzieren. Wie die Jacobs-Krönungs-Mama stelle ich den Geburtstagskuchen unter dem Applaus der Gäste auf den Tisch. Das Geburtstagskind pustet mit roten Wangen die Kerzen aus, gluckst fröhlich und klatscht in seine kleinen Patschhändchen. Wunderbarer ….Traum!

Als ich den Kuchen aus der Form holen wollte, tat sich natürlich nichts. (Ist ja auch der Tag davor – da hat man noch Zeit!) Also nicht die Nerven verlieren. Nach mehreren ruckartigen Schüttelbewegungen löste sich der Boden vom Topfkuchen und klatschte dampfend und wunderbar riechend auf das Kuchengitter. Der Rest blieb ebenso wohlduftend in der Form. Vorsichtiges Lösen mit dem Messer bescherte mir also eine zerbröselte Unterseite und eine wohlgeformte Oberhälfte, nur leider unten offen.

Kein Problem, machen wir halt Schokoladenkuvertüre drauf. Da es aber schon spät abends war, verschoben wir es auf den nächsten Tag. Bis zum Kaffeetrinken war ja noch Zeit.

06.00 Uhr Wecker klingelt. Alles springt auf, das Geburtstagskind selbstverständlich als erstes. Radio N-Joy ruft den Mittelfingermittwoch aus. Mehrere Leute posten zum Radiosender, was Ihnen heute schon für Missgschicke passiert sind. Das Geb.-Kind hat sein dreckigstes T-Shirt angezogen und wird unter Protest wieder zurück an den Kleiderschrank geschickt. Nach dem ersten Schluck Kaffee geht es daran, das Missgeschick des vorangegangen Abends wieder ins Reine zu bringen bzw. das Beste draus zu machen. Mit Kuvertüre geht alles: Kuchen reparieren, schwarze Schuhe neu besohlen, verbrannte Plätzchen bedecken, Piratenzähne zu Karneval schminken….Leider ist die im Schrank befindliche Tüte erstens schon älter, zweitens so hart und nicht zu knacken, dass ich meinen Mann fast gebeten hätte, die kleine Säge aus dem Keller zu holen. Drittens verträgt sie leider das Wasserbad nicht, weil sich irgendwie Wasserdampf in den Topf geschmuggelt hat. Zurück bleibt eklig braune Schuhcreme, die nach Zucker schmeckt. Mittlerweile knurrt der hausfrauliche Magen, das Geburtstagskind will in den Kindergarten, der Kuchen sieht immer noch so aus wie am Abend vorher, Kind 1 hat den Bus verpasst und muss zur Schule gebracht werden. Rase zum Lebensmittelmarkt, sacke zur Sicherheit drei verschiedene Sorten Schokokuvertüre ein und wähle die, die am schnellsten zuzubereiten ist, verbrenne mir zu Hause an der heißgemachten Tüte die Finger. Kuvertüre läuft flüssig aus dem Beutel, wird aber nicht mehr rechtzeitig fest. Kuchen in den Kühlschrank, nutzt nix. Geburtstagskind wird von Göttergatte im KiGa abgeliefert, während Mama noch schnell Gummibärchen kauft. Fructose-Max muss in die Röhre gucken, tut mir leid.

Das Radio hat immer noch Missgeschicke parat, Gunter Gabriel hatte nur einen Schlüpfer mit im Dschungelcamp, höre ich da. Ich denke noch, die Welt hat Probleme….da wird mir klar, dass ich den Schneeanzug vom Geburtstagskind zu Hause vergessen habe. Nachdem ich die zweite Runde zum Kindergarten gefahren bin, mache ich mich endlich an die eigentliche Vorbereitung. Draußen schneit’s, juchuh – also plane ich eine Schneeolympiade. Das geht ganz schnell, ich schaffe es sogar noch Urkunden zu drucken, Medaillen zu basteln und bin unglaublich stolz auf mich. Es ist 12.00 Uhr. Der Schnee taut schneller, als ich den Schlitten abstauben kann. Mittelfingermittwoch, ich komme!

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