Fründliche Scherereien

Freundschaft

Ein Kommentar

Kürzlich war ich auf einem Frauenfrühstück zum Thema „Frauenfreundschaften“. Gerade ein paar Tage vorher hatte ich dazu ein Gespräch mit dem Satz „Zeige mir Deine Freunde und ich sage Dir, wer Du bist“. Dieser bedeutungsschwere Satz zerging mir auf der Zunge und ich fragte mich, ob es tatsächlich so ist. Sagen meine Freunde etwas über mich aus? Sind die Leute, mit denen ich mich umgebe, ein Spiegelbild meiner selbst? Oder vielleicht mehr ein Spiegelbild meiner Sehnsüchte? Es ist interessant dieser Frage mal nachzugehen: Mit wem bin ich befreundet und was sagt das über mich aus?

Ich glaube, in jedem von uns steckt die Sehnsucht nach einem wirklich guten Freund. In Männern, die es oft nicht zeigen, genauso wie in Frauen. Frauen tun sich vielleicht ein bißchen leichter, sich diesen Wunsch einzugestehen. Was muss dieser Freund/diese Freundin für mich sein? Vertraute, Seelengefährtin, Begleiter, Kumpel, Tröster….. Beim Frauenfrühstück begann die Referentin das Thema mit eine Zitat von Albert Einstein:

“ Manche Männer bemühen sich lebenslang, das Wesen einer Frau zu verstehen. Andere befassen sich mit weniger schwierigen Dingen z.B. der Relativitätstheorie.“

Großes Gelächter, wir Frauen verstanden es sofort. Kaum ein Mann kann verstehen, was eine Frauenfreundschaft so besonders macht. Sie lassen uns Frauen gewähren und stehen kopfschüttelnd vor den Emotionen und Geheimnissen, die solche Frauen- oder Mädelsfreundschaften mit sich bringen.

Gute Freundinnen wissen, wie es um die andere steht, kümmern sich umeinander, rufen sich zu den unmöglichsten Tageszeiten an, um über die unmöglichsten Dinge lange und ausgiebig zu sprechen. Dinge, die mancher Mann beim Holzhacken mit sich selbst ausmachen würde.

Das Zerbrechen von Frauenfreundschaften kann regelrechten Liebeskummer auslösen und ich kenne keine Frau, die sich nicht im tiefsten Herzen nach der! besten Freundin sehnt.

Doch ist diese beste Freundin ein Spiegel meiner selbst? Was macht eine Freundin wertvoll für mich? Gibt es einen inneren Auswahlprozess, der mich antreibt in Sympathie und Antipathie gegenüber potentiellen Freunden?

Die Referentin erzählte von ihrer Zeit, als sie in Berlin eine Einrichtung aufbaute, um Drogenabhängige und sonstige stark vernachlässigte Menschen aufzufangen. Sie berichtete von ihnen als „Juwelen, die unter einem hässlichen Hut lebten“. Niemand aus sogenannten wohlgeordneten Verhältnissen würde auf den ersten Blick, einen dieser Menschen zu seinem besten Freund küren. Warum? Sie sehen nicht ansprechend aus, bewegen sich in zwielichtigem Milleu und haben nichts anderes im Sinn, als selbst zu überleben. Sie haben nichts zu bieten und sind daher als Freund ungeeignet. Aha!

Es scheint also verschiedene Ebenen zu geben, auf denen man sich begegnen kann. So bleiben die Guten unter sich und die anderen auch. Ich kenne viele Menschen, die selbstverständlich nur zur den Guten gehören wollen, die sich ihre Freunde nach dem Geldbeutel, dem Ansehen, der Kraft und dem Charisma, das diese ausstrahlen aussuchen. Entweder weil es sie selbst weiterbringt oder weil ein paar dieser Strahlen, die die anderen aussenden, in der Freundschaft auch auf sie selbst ein helles Licht werfen. Weil sie etwas wert sind, wenn sie mit dieser wichtigen Person befreundet sind.

Und wenn das Strahlen verglüht ist? Was bleibt dann von dieser Freundschaft?

Können Menschen, die aus unterschiedlichsten Lebensentwürfen kommen, überhaupt befreundet sein? Ich denke, ja! Wichtig ist die Wertschätzung, die ich dem anderen entgegenbringe. die Augenhöhe auf der ich ihm begegne. Jeder Mensch, egal ob reich oder arm, gesund oder krank, hat etwas zu geben, was eine Freundschaft wertvoll machen kann. Freundschaft geht dann gut, wenn wir uns wegbewegen vom eigenen Egoismus hin zum ausgeglichenen Du-Ismus. Eine Freundschaft lebt vom gegenseitigen Nehmen und Geben. Dabei muss dies nicht immer eins zu eins ausgewogen sein, aber über lange Zeit schon, sonst geht einem der Freunde am Ende die Kraft aus.

„Zeig mit Deine Freunde und ich sage Dir wer Du bist!“ Ein bißchen Wahrheit steckt in dem Satz. Ich würde ihn aber gern umwandeln in: „Zeige mir, wie Du mit Deinen Freunden umgehst und ich sage Dir, wer Du bist.“ Denn nicht in den Menschen, mit denen ich mich umgebe, liegt die Beurteilung meines Lebens, sondern in der Frage, ob ich ihnen auf Augenhöhe begegne  und was sie mir bedeuten. Andernfalls renne ich Trugbildern hinterher.

Schönes Video dazu findet Ihr hier:

Freundschaft – Vorstadtsaga

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Ein Kommentar zu “Freundschaft

  1. Liebe Tanja,
    das ist ein ganz toller Beitrag. Ich kann Dir nur zustimmen.
    Dein Post macht sehr nachdenklich und ich möchte mich auch jetzt ganz diesen Gedanken hingeben.
    Danke für Deine Überlegungen zu diesem Thema, die Du mit uns teilst.
    Herzliche Grüße
    Astrid

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