Fründliche Scherereien

Weihnachten mal anders

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Irgendwie hat es mich geritten, neben dem ganzen Weihnachtsfirlefanz mal die dunkle Seite des Friedensfestes zu beleuchten. Habt keine Angst! Ein bißchen gruselig ist das Gedicht, aber ein Körnchen Wahrheit hat es vielleicht doch. Viel Spaß mit einer morbiden Weihnachtsszene, in deren Verlauf ihr einige Passagen aus Eichendorffs „Markt und Straßen stehen verlassen“ finden werdet. Ich hoffe, der Dichter verzeiht mir posthum, dass ich der scheinheiligen Weihnachtsseligkeit ein bißchen hinter die Fassade schaue! 😉

Morbides Weihnachtsgedicht

Onkel Friedrich will stets seinen Neffen

jedes Jahr zum Weihnachtsessen treffen.

Der Junge stellt sich immer ein; will er doch alles erben,

Das Dumme bloß: Der Alte will einfach nicht sterben.

 

Jahr für Jahr die gleiche Quälerei

mit Likörchen, Pralinen und Weihnachtseinerlei

mit Suppe und Braten und Pudding in Massen,

die allesamt in seinen Bauch nicht mehr passen.

 

Seit Jahren schon wartet der einz’ge Verwandte,

der gleich nach dem Tod seiner Tante,

dem Onkel auf der Tasche liegt

darauf dass der Alte die Kurve zum Himmel kriegt.

 

Doch der denkt nicht ans Vergreisen,

will nicht so früh ins Grase beißen.

Und geizig ist er noch dazu.

Das lässt dem Neffen keine Ruh.

 

Voll Neid und Habgier beschließt er fein,

dies Jahr soll es das letzte Mal für den Onkel Weihnachten sein.

Ein rauschendes Fest soll es werden,

danach soll der Onkel verlassen die Erden.

 

So gehen die Gedanken rund herum:

Wie bringt er am besten seinen Onkel um?

Was wohl die günstigste Mordwaffe wär?

Die Axt ist ihm eindeutig zu schwer,

Pistole zu laut, Messer zu scharf

erschlagen zu heftig und vergiften zu brav.

 

Vielleicht kann der Onkel in Geschenkpapier ertrinken

oder in Eierlikörchen versinken?

Mit Knecht Ruprecht sich im Wald verlaufen

und im Knusperhäuschen mit der Hexe Koma-Saufen?

Nein das wäre ordinär

und so gar nicht weihnachtliches Flair.

 

Ein bißchen stilvoll soll es sein

so richtig schön mit Heil’genschein,

mit Sternenstaub und Engelshaar

und Heidschi-Bumbeidschis-Tralala

 

Man muss es auch ein bißchen zelebrieren

und vordem die Stube dekorieren:

mit Krippchen fein und Kerzenschein

und süßen Glöckchen: So soll es denn sein!

Mit der richtigen Stimmung kommt der Tod von allein.

 

Und hat er dann erstmal den Bogen raus,

ist er am Ende alleine der Herr im Haus.

 

Der Onkel kommt sodann vom Kirchgang heim

und tritt beherzt ins Weihnachtsstüblein ein,

sieht seinen Neffen am offenen Schranke sitzen

und noch schnell die silbernen Löffel stibitzen.

 

Der Onkel schreit, es gibt Krawall

und einen großen lauten Knall,

geht mit dem Stock in Raserei

auf seinen Neffen los und eins, zwei, drei

hat er, noch ehe er es recht bedacht,

dem Neffen unterm Tannenbaum das Lebenslichtlein ausgemacht.

Dieser hat dabei daneben

die Löffel auch gleich wieder abgegeben.

 

Markt und Straßen steh‘n verlassen

still erleuchtet jedes Haus.

Nur der Onkel schleppt was durch die Gassen.

Alles sieht so festlich aus.

 

In dem Säcklein, das der Alte zieht

der erschlagene Neffe liegt.

Die silbernen Löffel klingeln leise

ganz nach weihnachtlicher Weise.

 

Und sie wandern aus den Mauern

bis hinaus ins freie Feld

hehres Glänzen, heil‘ges Schauern,

ach was weiß denn schon die Welt

 

was die Menschen treibt zum Lieben

und zum Hassen, wie durchtrieben

manches Weihnachtfest so endet

und sich nicht zum Guten wendet.

 

Darum gib gut auf Dich acht!

Was Du denkst und

was Du daraus machst!

 

(Tanja Fründ)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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