Fründliche Scherereien

Flash Mob

4 Kommentare

Neulich holte ich Kind 2 von der Schule ab. Beim Warten am Fahrradständer hatte ich den gesamten Schulhof gut im Blick. Es war Pause und es tobte das pralle Leben. Eine dicke Box beschallte den Pausenhof mit Mucke und Kinder und Pausenaufsicht in grell-orangener Bauarbeiterwarnweste tanzten zusammen den Gangnam-Style. Eltern blickten sich irritiert an. Einige schüttelten die Köpfe, andere wippten mit. Wir in Ostwestfalen sind nicht so spontan, wir würden uns niemals ohne 10-fache Aufforderung und 20 Gläsern Schnaps einer Street-Dance-Gruppe anschließen. Dazu brauchen wir eine mentale Ausnahmegenehmigung, ein Hinweisschild und eine Freistellungserklärung. 😉 Ich musste lange auf mein Kind warten. Als die Pause zu Ende war, kam ein völlig verschwitztes Grundschulkind bei mir an, warf atemlos seinen Ranzen auf die Erde, fuhr sich mit der Hand über die feuchte Stirn und rief: “ Stell Dir vor, wir haben heute in jeder Pause einen Flash Mob getanzt!“

Aha!

Was soll das sein? Schrubbertanz mit Break Dance Elementen? Ich war mir nicht ganz sicher, aber ich meine zu wissen, dass es sich dabei um ein getarnt zufälliges Aufeinandertreffen von mehreren Leuten z. b. in einer U-Bahn-Halle handelt, die gemeinsam aus der Masse heraus den Gefangenenchor von Nabucco anstimmen. Oder so, oder?

Wikipedia:

Der Begriff Flashmob (englisch flash mob; flash „Blitz“, mob „aufgewiegelte Volksmenge“ [von lateinisch mobile vulgus „reizbare Volksmenge“[1]]) bezeichnet einen kurzen, scheinbar spontanen Menschenauflauf auf öffentlichen oder halböffentlichen Plätzen, bei denen sich die Teilnehmer persönlich nicht kennen und ungewöhnliche Dinge tun. Flashmobs gelten als spezielle Ausprägungsformen der virtuellen Gesellschaft (virtual community, Online-Community), die neue Medien wie Mobiltelefone und Internet benutzt, um kollektive direkte Aktionen zu organisieren.

Ich befragte mein Kind interessehalber, was es denn meinen würde, was ein Flash Mob sei. Die Antwort kam sehr präzise und sehr schnell: „Also Mama, das ist doch klar. Wir machen spontan einen Tanz auf dem Schulhof oder was anderes zusammen, wo jeder mitmachen kann.“ Mhm!

Es fuhr fort: „Außerdem machen wir das doch auch jedes Wochenende!“

„Was bitte machen wir jedes Wochenende?“ fragte ich sicherheitshalber noch mal nach.

„Na z. B. wenn wir am Wochenende einkaufen gehen, dann machen wir spontan mit vielen anderen Leuten das Gleiche. Wir kaufen ein. Jeder kann mitmachen!“ erklärte mir mein Kind.

Ah ja. Jetzt fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Wenn ich also am Wochenende morgens um 10.00 Uhr mit 500 aufgewiegelten Menschen bei Aldi an der Kasse stehe, dann ist das per Definition ein Flash Mob. Das einzige Kriterium, was noch fehlt, ist die Tatsache, dass ich mich mit keinem von den Anwesenden virtuell abgesprochen habe. Und die einzig ungewöhnliche Aktion, die ich anführen könnte, ist die Tatsache, dass es doch immer wieder Menschen gibt, die es mit einem Teil Ware in der Hand und dem Organ eines Händlers vom Hamburger Fischmarkt bis vorne an die Pole Position des Kassenbandes schaffen. Und die Schlange weicht verständnisvoll unter zustimmendem Gemurmelgesäusel. Eine ungewöhnlichere Aktion kann man von Ostwestfalen an einem Samstagmorgen bei Aldi nicht erwarten.

Jedenfalls nicht so, wie die folgenden Typen in München abgerockt haben:

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4 Kommentare zu “Flash Mob

  1. Einfach nur herrlich! – Kind 2 ist einfach nicht zu toppen mit seiner Antwort! Wirklich klug! – Bei uns kam Enkelkind 2, das ja dieselbe Schule besucht, auch sehr gut gelaunt zu Hause an und erzählte von dem ‚Event‘ auf dem Schulhof. Übrigens: Sollten wir uns irgendwann einmal am Samstagmorgen beim Aldi in PO treffen, geht die Post ab – oder? Von wegen, wir hier in Ostwestfalen können das nicht! Das wollen wir doch mal sehen! :-)))) LG Martina

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  2. Liebe Tanja,
    Du wirst es nicht glauben, aber ich saß jetzt lachend und klatschend vor dem Video. Da wäre ich gerne dabei gewesen.
    Übrigens: Leider ist der Weg zum Aldi in Westfalen von Cottbus aus etwas zu weit, ansonsten hätte ich Euch gerne klatschend und begeistert unterstützt, wenn Du und Martina die Post abgehen lasst 😉 . Aber ich glaube fast die Jungs aus München sind da sehr schwer von Platz Eins zu verdrängen 🙂 .
    Herzliche Grüße
    Astrid

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  3. Liebe Tanja,
    ich schicke Dir an dieser Stelle noch ein paar besonders liebe Ostergrüße. Viel Spaß und Erfolg beim Ostereiersuchen mit Deiner Familie.
    Schöne Ostern wünscht Dir
    Astrid

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