Fründliche Scherereien

Zwischen den Jahren ….

3 Kommentare

Die Kinder werden mit den Jahren vor Weihnachten nicht ruhiger, sondern mit jedem Jahr wird die Spannung in den Wochen vor dem großen Fest größer und größer, bis sie sich am Tag vor Weihnachten in der Regel in wilden Räumaktionen, Hüpfen, Springen, Streiten, Wutanfällen und Weinattacken austobt. Haben wir die Nacht vom 23. auf den 24.12. erst einmal hinter uns gebracht, rieselt die Besinnlichkeit aber meist wie frisch fallender Schnee auf unsere Familie. Auf einmal begreifen auch die hochgespannten Kinder wie wichtig ihnen die Ruhe vor dem großen Ereignis ist. Mit angezogenen Knien den Kopf fest unter die elterliche Schulter gekuschelt, lesen wir zum x-ten Mal wie die Herdmanns das Krippenspiel aufmischen, knabbern Kekse und warten aufs Christkind. Und dann endlich geht es los. Bescherung! Ritsche ratsche raschelt das Papier, schneidet die Schere zu fest gezogenes Geschenkband auseinander, werden Playmobilpackungen aufgerissen und Kleinteile kullern über den Boden. Im Sturm der Papiergirlanden und Weihnachtskarten versuchen die Eltern den Überblick zu behalten und glänzende Kinderaugen baden in Glitzerkugeln und Kerzenschein. Hach wie schön!

Drei Tage später haben wir alles geschafft: Verwandte besucht, mit Freunden telefoniert, Tannenbäume bewundert und Krippen bespielt. Wein getrunken und gut gegessen,  Geschenke transportiert, Playmobilkrankenhaus und Legowohnwagen unter mehr oder weniger großem Fluchen zusammengebaut.  Da telefoniere ich so zwischen den Jahren mit meiner Mutter, um schon mal Termine für das neue Jahr abzusprechen. Und nund kommt er, der ultimative fründliche Familienversprecher, der es zum Weihnachtswort des Jahres bringen wird, und unlöschbar für alle Ewigkeit auf der Liste der Weihnachtsrituale stehen wird.

 

Ich: „Bekannte von uns, die müssen im Februar noch in die Gerinnungsambulanz ins Krankenhaus.“

Meine Mutter: „(Schweigen)“

Ich: „Bist du noch da?“

Meine Mutter: „Ich bin ja nicht blöd, aber kannst du mir mal verraten, was das ist?“

Ich irritiert: „Ja aber das weißt Du doch?!“

Meine Mutter (leicht verwirrt): „Nein….?! Ich weiß nicht, was das sein soll!! Eine Besinnungsambulanz??!!!“

 

Nachdem wir wieder auf dem Stuhl saßen, von dem wir vor Lachen grad heruntergefallen waren, kam uns in den Sinn, dass das doch vor Weihnachten und in allen stressigen Zeiten ein wirklich coole Einrichtung wäre. Eine Besinnungsambulanz, wo man sein gerütteltes Herz und die genervte Seele mal kurz behandeln lassen könnte. Vor meinem geistigen Auge sehe ich gestresste Menschen, niedergeschmetterte und vom Schulalltag gefressene Kinder, Arbeitssuchende und Überarbeitete, Kranke und Fitnessbesessene zum Reset in die Besinnungsambulanz fahren. Aber vielleicht kann sich jeder ja auch seine eigene „Besinnungsambulanz“ schaffen, eine Art Insel im Alltag, die man aufsuchen kann, wenn man mal grad wieder einen klaren Kopf braucht oder alles über einem zusammenschlägt. In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen guten Start ins neue Jahr und ein wenig Besinnung aufs Wesentliche.

Advertisements

3 Kommentare zu “Zwischen den Jahren ….

  1. Das täte einigen gut zur Besinnung zu kommen. Bei Euch geht ja schon was ab! Stress lass nach! Wünsche Dir auch einen guten Rutsch, liebe Tanja.

    Gefällt mir

  2. Die Besinnungsambulanz würde ich ganz sicher auch aufsuchen! Herrlich!
    Liebe Tanja, ich danke dir für so viele wunderbare Posts, mal zu Lachen und mal zum Nachdenken – und ich freue mich auf weitere im neuen Jahr.
    Danke für all deine Besuche bei mir und deine liebenswerten Kommentare! Ich freue mich von Herzen darüber!
    Ich wünsche dir ein glückliches neues Jahr und freue mich auf viele ‚Begegnungen‘ hier im Netz!
    LG Martina

    Gefällt mir

  3. Liebe Tanja,
    ich habe beim Lesen in mich hinein geschmunzelt. Ja, so eine Besinnungsambulanz hätte ich vor Weihnachten auch gebraucht und auch über das ganze Jahr verteilt sollte man dort immer wieder einmal einen Besuch abstatten.
    Da ich seit kurz vor Weihnachten die beiden Mütter zu Besuch habe, ist meine Zeit etwas knapp und ich habe auch Dich ein wenig vernachlässigt. Doch Du sollst wissen, dass ich immer wieder sehr gerne zu Dir komme und Deine Texte lese, die zum Nachdenken und zum Schmunzeln anregen.
    Ich schicke Dir meine besten Wünsche für 2017 und freue mich auf unser gegenseitiges Lesen und Kommentieren.
    Astrid

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s