Fründliche Scherereien

Denkt Euch…

3 Kommentare

 

Denkt Euch,

ich habe das Christkind gesehen.

Es kam aus dem Wald, das Mützchen voll Schnee

mit rotgefrorenem Näschen.

Die kleinen Hände taten ihm weh,

denn es trug einen Sack

der war gar schwer

schleppte und polterte hinter ihm her.

Was drin war, möchtet Ihr wissen?

Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack!

Denkt ihr, er wäre offen der Sack?

Zugebunden bis obenhin

Doch war gewiss etwas Schönes drin!

Es roch so nach Äpfeln und Nüssen.

*

Denkt Euch, ich habe das Christkind gesehen

es kam aus der Stadt, das Mützchen, oh Graus.

Mit ausgefransten Handschuh’n,

die roten Finger schauten heraus.

Und es trug einen Sack, der war gar schwer

schleppte Decken und Tee und noch viel mehr

Warum denn, möchtet Ihr wissen?

Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack!

Denkt Ihr, die unter der Brücke schlafen, werden vom Gaffen satt?

Zugedröhnt bis oben hin

und ohne Lebenssinn,

Spekulatius und Kissen.

*

Denkt Euch, ich habe das Christkind gesehen

es kam aus dem Heim, das Mützchen voll Gram

mit wundgesungenem Herzen

da gab es Kinder, die waren so arm

sie konnten nicht scherzen.

kein Haus mit Feuer im Kamin

oder Puppen im Arm.

Was wollte es dort, möchtet Ihr wissen?

Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack!

Gesungen hat es mit Fiedel und Frack

und denen Freude gebracht mit Liedern,

die Liebe und Heimat vermissen.

*

Denk Dir, ich habe das Christkind gesehen

es schaute mich an, die Augen voll Weh

mit Malen an Händen und Füßen

Die Seele blutete ihm

denn es trug eine Last, die war gar schwer

schleppte und polterte hinter ihm her

Warum nur, möchtet Ihr wissen?

Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack!

Gott hat sich selber zu uns aufgemacht!

Zu Weihnachten geschenkt seinen Sohn.

Bei den Hirten ist er angekommen schon:

das sollt Ihr zum Christfest noch wissen.

 

Die 1. Strophe dieses bekannten Weihnachtsgedichtes ist von Anna Ritter (1865 – 1921)

2. , 3. und 4. Strophe Tanja Fründ

 

 

 

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3 Kommentare zu “Denkt Euch…

  1. Als ich die erste Strophe las, hab ich noch gelächelt. Das Gedicht haben wir wohl alle gelernt – es ist wirklich schön. Doch deine Strophen ließen mich erschaudern, denn ich weiß leider, wie recht zu hast. Es gibt so viel Not und Leid in der Welt. Das dürfen wir nicht vergessen und übersehen, gerade jetzt zu Weihnachten. – Hoffen wir, dass Christus auch bei uns und in unseren Herzen ankommt und wir es schaffen, etwas von dem Glanz der Weihnachtszeit auf unsere leidenden Mitmenschen zu übertragen. – Möge es uns gelingen! Ich wünsche dir einen harmonischen 3. Advent. LG Martina

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  2. Ja ich weiß Martina, das war gar kein lustiger Beitrag von mir. Und den einen oder anderen wird es sicher stören, dass ich das so aneinandergehängt habe. Nur damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich mag die Weihnachtszeit auch sehr. Und sie erfüllt mich mit viel Dankbarkeit. Aber es gibt eben auch die andere Seite. LG Tanja

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  3. Liebe Tanja,
    ich finde es echt gut, dass Du auch die andere Seite aufgezeigt hast. Weihnachten wird oftmals nur als harmonisches Familienfest dargestellt und alle strahlen voller Glückseligkeit, aber leider gibt es auch diese andere Seite und die viele Not um uns herum.
    Für viele Menschen ist die Weihnachtszeit auch eine seelische Belastung (ohne dass sie z.B. finanzielle Not leiden etc.), denn sie verbringen diese Zeit alleine. Kommt noch Krankheit und vielleicht Sucht, der Verlust der Heimat, der Familie, finanzielle Not … etc. dazu, dann schwebt über ihnen alles andere, aber kein Glanz und kein Frohlocken.
    Dein Post macht sehr nachdenklich und das ist auch gut so.
    LG
    Astrid

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