Fründliche Scherereien

Urlaub an der Nordsee

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Jetzt sind wir nach zwei Wochen Nordseeurlaub wieder zu Hause gestrandet. So fühlten wir uns nämlich. Nach Wind, Weite und Sonne und Salz in der Luft warf uns das Meer zurück in den noch nicht wieder vertrauten Alltag. Leider kam es nicht mit uns, sondern blieb einfach in Ostfriesland liegen (das doofe Meer 😉 . Was will es dort bloß, wo wir es doch hier so dringend gebrauchen? Aber so ist das mit dem Berg, der einfach nicht zum Propheten kommen will. Immer muss der Prophet zum Berg. Ihr merkt schon, ich habe den Nordseeurlaubs-Blues. Unser großes Kind fasste es noch 5 Minuten vor der Abfahrt zusammen: “ Ich freu mich ja auf Zuhause, aber das Meer möchte ich doch am liebsten mitnehmen.“

Wir waren schon an mehreren Meeren.In jüngeren Jahren zog es uns ans Mittelmeer und an den Atlantik,  gern auch an die Ostsee aber immer wieder an die Nordsee. Was für eine Anziehungskraft übt dieses sogreiche und braune Gewässer mit viel nassem Grün an der Küste eigentlich aus?

Sein Salz brennt in den Augen und gefühlt ist es die meiste Zeit weg. 14 Tage Dauerregen können Urlauberfamilien in den Wahnsinn treiben. Der Schlick soll gesund sein, obwohl er nicht so aussieht. In der schwarz-braunen Pampe treiben Krebse, Quallen, Wattwürmer und Muscheln ihr Unwesen und so mancher Gummistiefel hat in ihm auch schon das Zeitliche gesegnet. Oder ist bei entsprechender Strömung gleich nach Helgoland geschwommen.

Die Bewohner der Küstenlandschaft gelten als wortkarg, der gemeine Friese hat ein wettergegerbtes Gesicht, trägt ein Fischerhemd mit Streifenmuster und raucht Pfeife, während er seinen Enkeln Spukereien und Lügengedöns erzählt. Er  trinkt mit großen Händen Tee aus viel zu kleinen Tassen und um sein Haus und diverse Pommesbuden lauern und kreischen Möwen, dass es einem die Ohren wegfetzt.

Will man dort Fahrrad fahren am Deich, befindet man sich regelmäßig in guter Gesellschaft mit Deichschafen und ihren Hinterlassenschaften. Sie nötigen einen förmlich dazu, das Fahrrad über dem Kopf durch die Knödel zu tragen, damit sie einem nicht beim Fahren an die Beine fliegen.Der Wind weht immer aus der Gegenrichtung. Rückenwind hat man dort nie. Und Wettervorhersagen kann man an den Küsten auch nicht trauen. Und habt ihr schon mal am Strand ein Baby gewickelt? Oder ein noch nicht gewickeltes Baby mit voller Windel aus dem Schlick geholt, während es sich wehrt und euch mit der Schaufel auf den Kopf haut?

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Jedes Jahr fahren wir wieder dorthin. Und wenn wir könnten, wären wir jedes Wochenende dort, wo der Wind die Lungen und die Seele freimacht, wo Wellen und Wolkenspiele dem Meer jeden Tag und jede Stunde ein neues Gesicht geben, wo die Gischt einem an die Wangen fegt, die Haare zerwuschelt und man mit den Möwen bis zum Horizont gleiten möchte.Dort, wo die Heckenrosen duften und der Sand einem wie Puder durch die Finger rinnt. Dort, wo ein Kind mit strahlenden Augen seinen Käscher hochhält, in dem es bestimmt die größte Qualle der Welt gefangen hat und sich dann in ein großes Badehandtuch gewickelt auf meinem Schoß Geschichten vorlesen lässt. Dort wo die Abendsonne das Watt in einen Traum von orange bis lila-rosa färbt, dort wo der Wind über dem Strand bizarre Muster formt und Ebbe und  Flut in stetigem Wechsel Sinnbild für das Auf und Ab im Leben werden. Dort wollen, dort müssen wir jedes Jahr wieder hin.

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2 Kommentare zu “Urlaub an der Nordsee

  1. Ach wie schön, ich war gerade für einen Moment am Meer. Du hast es so klasse beschrieben, da war man direkt dabei! Auch wenn ich nicht unbedingt an jedem Wochenende dort sein möchte 🙂 – aber gerne immer mal wieder! Leb dir gaaaaanz langsam wieder ein und lass dir gedanklich immer mal wieder den Wind um die Nase wehen! LG Martina

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  2. An der Nordsee war ich bisher nur ein einziges Mal. Damals war ich selbst noch in der 10. Klasse. Lange, lange ist es her und wenn ich die Begeisterung in und zwischen Deinen Zeilen lese, dann wird es höchste Zeit an die Nordsee zu fahren. Uns zieht es bislang immer in den Süden und für eine kurze Auszeit auch mal an die Ostsee. Die Nordsee haben wir seltsamerweise irgendwie vergessen:-). Keine Ahnung warum.
    Ich schätze, Du bist längst wieder voll im Alltag angekommen, denn dies geht meist ziemlich schnell.
    LG
    Astrid

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