Fründliche Scherereien

Unkraut jäten – alles ist relativ

4 Kommentare

Unkraut jäten hielt ich bisher für ein sinnbefreite Beschäftigung. Auf die Frage von Kind2, warum Unkraut denn überhaupt erfunden wurde, wusste ich auch keine befriedigende Antwort. Nun will man den Nachwuchs ja zu einem wertschätzenden Umgang mit der Natur erziehen. Also erkläre ich, dass vieles Unkraut durchaus seine Berechtigung und z.B. gewisse medizinische Funktionen hätte, dass ich es aber zwischen dem Salat, den Erdbeeren usw. halt nicht gebrauchen könne. (Mit dem Schachtelhalm, den wir im Garten unser eigen nennen, könnte ich bestimmt eine ganze Saison Blasenentzündungen versorgen.)

„Mama, kann ich eine Wassermelone?“ „Ja gleich, wenn wir fertig sind.“ „Wann ist gleich?“ „Uff. Wenn ich dieses Beet von Unkraut freigemacht habe, können wir eine Pause machen!“ „Mammaa.. wenn ich Dir helfe, geht es dann schneller mit der Wassermelone?“ (Kind 2 hat den Dreh raus.) „Ja auf jeden Fall.“ Kind 2 rupft und rupft. Und erklärt mir nebenbei, dass eine Gartenschere ja eine tolle Erfindung sei und dass es früher wohl viel mehr Erfinder gegeben haben müsse als heute, wenn die so tolle Sachen erfunden hätten, wie die Scheren. Außerdem fragt es, wie lange es wohl schon Scheren gebe und wieviele Erfinder es heute noch gebe und äußert in einem Atemzug, dass es ja um mir zu helfen, jetzt mit seinen hellen Sandalen einmal!  „aber echt nur einmal!“ auf die dreckige Erde treten müsse, denn sonst ginge es ja nicht mit dem Unkrautziehen. Während sich Kind2 über Melde, Löwenzahn und Springkraut hermacht, gelingt es mir, in den Monolog aus kindlichen Fragen und Antworten, Feststellungen und Bemerkungen ab und zu ein gegrumpftes „Mmh“ und  „Jaha“ und „Meinst du?“ und „Glei-heich“ einfließen zu lassen.

So nun klopft sich Kind2 begeistert auf die Knie und zeigt mir einen Flecken von ca. 30 x 30 cm, den es von Unkraut befreit hat. „Guck mal, Mama. Nun hab ich Dir aber toll geholfen.“ und es lobt mich auch „Du bist aber auch schnell fertig geworden mit dem ganzen Beet.“ Ich bin stolz wie Oskar über dieses Lob. 😉 „Mama, heute wird doch nicht mehr soviel erfunden wie früher oder? Ist ja auch gar nicht gut, wenn man soviel Neues erfindet!“ „Warum?“ „Naja, dann gehen doch die Pflanzen kaputt.“ „??????“

Kind2 kratzt sich am Kopf. „Naja, xy hat das behauptet.“ (XY ist ein Kind, das Riesenrespekt bei Kind2 hervorruft und dessen Ansichten darum aufgesogen werden wie ein Schwamm und häufig nur schwer zu entkräften sind.)

Am Ende gelingt es mir, Kind2 zu beruhigen, während ich trotzdem noch kurz darüber nachdenke, ob es wohl wirklich heutzutage weniger Erfindungen gibt als früher, ob manche Erfindungen Pflanzen kaputtmachen und ob nicht diese ganze Fragerei beim Unkrautjäten mich wissenschaftlich schwer an meine Grenzen führt. Und ich hatte irgendwann mal gedacht, Unkrautziehen wäre eine sinnbefreite und geistig anspruchslose Arbeit. Denkste!

 

 

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4 Kommentare zu “Unkraut jäten – alles ist relativ

  1. Herrrrlich erzählt, liebe Tanja! Ich war ganz bei euch – aber ich gestehe, dass ich kein einziges Unkräutlein gezupft hab! 🙂 Kinder können einem Löcher in den Bauch fragen. Und ganz ehrlich: Manchmal denke ich auch, früher wurde mehr erfunden, als heute :-).
    Und Erfindungen, die Pflanzen kaputt machen, die gibt es ja leider auch! 😦 Danke, dass wir euch beim Unkraut jäten belauschen durften! Es war eine wahre Freude! LG Martina

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  2. Toll, selbst die langweiligste aller Tätigkeiten können Kinder verschönern. 🙂 Tja und wir Erwachsenen müssen doch manchmal auch eine Antwort schuldig bleiben. Das finde ich aber auch gar nicht schlimm, denn wir müssen ja wohl nicht immer alles besser wissen.
    Ich habe Euch jedenfalls sehr gerne zugehört. Nur leider habt ihr mir auch ein schlechtes Gewissen gemacht. Euer Garten ist nun unkrautfrei, meiner allerdings muss es erst noch werden. Kannst du mir mal kurz deine Kinder vorbei schicken, dann ist das Unkrautjäten nicht so langweilig.
    LG
    Astrid

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    • Leider sind wir nicht komplett fertig geworden. Wir mussten ja wichtige Gespräch führen. 😉 Und ganz ehrlich, mein Garten ist genau wie jeder andere: Ist man hinten fertig, kann man vorne gleich wieder anfangen. LG Tanja

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