Fründliche Scherereien

Karfreitag

2 Kommentare

In unserer Welt voller Anglizismen kommt das Wort „Car“ eigentlich nur noch im Fokus schnellstmöglichster Mobilität vor. Und wenn man den Staus auf den Autobahnen zum Osterwochenende glauben mag, dann könnte man auch dazu übergehen, das Wort „Kar“ tatsächlich durch „Car“ zu ersetzen, um dem Tag der Stillstände im Verkehr noch eine besondere Note hinzuzufügen. (Oder eine besondere Form von Not noch zu betonen 😉 ).

Karfreitag ist ein Tag besonderer Not. Ein Tag, der wie kein anderer auf die existentiellste Not, die einen Menschen betreffen kann, hinweist. Die Not des Sterbens. Gruselig. Und wie gerufen dazu das Wetter, das heute ebenfalls besonders gruselig daherkommt. Was machen wir mit einem solchen Tag, der so einen dramatischen Ursprung hat? Er ist einer der wenigen Tage, der auch heute noch keine Altervativausrichtung hat. Ein Tag, mit dem viele nichts anfangen können, der aber trotzdem das gesellschaftliche Leben zum Erliegen bringt. Restaurans geschlossen, Läden dicht, keine Märkte. Spazierengehen, Fisch essen, lesen, Langeweile schieben, Briefe schreiben ist ja nicht mehr en vogue, sich unterhalten, sich besinnen, aus dem Fenster gucken, hoffen, dass er bald vorbei ist…..?

Zum Glück geht ja am Samstag das Leben schon weiter. Die Ostereier werden bemalt, die Häuser geschmückt, kürzlich habe ich sogar einen Osterkalender entdeckt. Die Vermarktungsmaschinerie läuft endlich wieder an. Endlich wieder Zerstreuung, Familie, Leben, Auferstehung…12.000 Menschen campieren im Matsch (s. Berichterstattung Norbert Blüm) und werden in die Türkei zurückgeschickt. Und dann? 12.000 Menschen im Wartefenster zwischen Tod und Hoffnung. Zwischen Karfreitag und Ostern. Nur, dass die meisten in Deutschland das gar nicht interessiert. Gruselig. Karfreitag.

 

 

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2 Kommentare zu “Karfreitag

  1. Liebe Tanja,
    es gibt tatsächlich Menschen, die das Kar- durch Car ersetzen. Wir erlebten dies vor ein paar Jahren durch einen Zufall. Wir standen mit dem Auto in einer längeren Schlange am Stadtrand. Einige Autos vor uns wurden durch Menschen hin und her geschaukelt und wir fürchteten schon einen Übergriff auf unser Auto. Völlig ahnungslos entdeckten wir ein Polizeiauto mit mehreren Polizisten, die jedoch nicht ausstiegen, sondern nur das Treiben beobachteten. Wir suchten uns einen Parkplatz und marschierten zum Polizeiauto. Dort erhielten wir die Auskunft, dass ja Carfreitag sei. Wir verstanden die Welt nicht mehr, denn für uns war Karfreitag.
    Ich glaube inzwischen, dass es viele Menschen gibt (auch Taufscheinchristen), die die eigentliche Bedeutung von Karfreitag gar nicht mehr richtig kennen. Wie Du schon sagst, er wird einfach „ausgesessen“, wie manch anderes auch.
    Ich wünsche Dir ein schönes Osterfest und schicke Dir liebe Grüße
    Astrid

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    • Bei uns hier in der Gegend war der Begriff Car-Freitag auch ein festgelegtes Synonym für die alljährlich an diesem Tag stattfindenden illegalen Autorennen in Bielefeld und Osnabrück. Dort haben sich dann mal 1 oder 2 Menschen zu Tode gefahren. Und ich glaube, danach war weitgehend Schluss damit. So einen Car-Freitag der dann doch noch zum Karfreitag wurde. Schlimm. LG Tanja
      Ich wünsch Dir und Deinen Lieben auch ein schönes Osterfest!!!

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