Fründliche Scherereien

Streit im Saftladen

3 Kommentare

Streit im Saftladen

Ein großer Laden vor der Stadt
so manchen Saft zu bieten hat.
Da gibt es edlig Spritzigen
und manchen knallrot Witzigen.
Für jeden Anlass, jedes Fest
das Richtige sich finden lässt.

Und doch, was keiner weiß und ahnt,
dem Leser schon nichts Gutes schwant,
der Laden ist nicht ganz geheuer,
ein gänzlich merkwürdiges Gemäuer
in dem sich sonderbare Dinge tun.
Von denen sollt Ihr hören nun.

Es ist wohl kurz nach Ladenschluss.
Der Eigentümer voll Verdruss
macht hinter sich das Licht schnell aus
und selbst sich auf den Weg nach Haus.
Den Rest der Arbeit und die Sorgen
verschiebt er bis zum nächsten Morgen.

Erst ist es still; doch nach und nach
hört man ein Klimpern und ein „UUUach“.
Ein feines Rappeln lässt sich hören,
ein Klirren wie aus vollen Chören.
Dann nach einem lauten Plopp
hört man ein Trampeln wie Galopp.

Am Tage steh’n die Flaschen unbeweglich
und fristen dort ihr Dasein kläglich,
nur um den Käufer zu bewegen
sein schwer verdientes Geld hier auszugeben.
Jetzt aber in der Nacht
sind sie zu eig’nem Leben aufgewacht.

Schon fangen sie zu streiten an
und es geht immer wieder dann
nur um das eine, um die Führerschaft:
Wer ist der allerbeste Saft?
Wer ist der Größte, wer der Beste,
wer der Stärkste auf dem Feste?

Das Bier tritt forsch als erster vor die Meute:
„Mich kaufen hier die allermeisten Leute.
Ich bin ein gestand’ner Mann
mit dem man viel anfangen kann.
Mich nimmt man gerne in die Hand
auch ohne Glas und Flaschenpfand.“

Der Champagnr redet keck und spritzig:
„Die Rede find ich wirklich witzig
Du machst den Atem schwer und sauer.
Dich trinkt doch wirklich nur der Bauer.
Und einen dicken Bauch
bekommt man von Dir auch.

Ich bin der beste Saft der Welt
für jeden, der auf sich was hält
Ich tanze nicht im Bauch der Massen
mich können nur die feinen Leute fassen.
In elitären und vornehmen Kreisen
reicht man mich stilvoll vor den Speisen.“

„Ja ja“, höhnt da der rote Wein,
„mehr fällt den Menschen auch zu Dir nicht ein.
Du bist mit Deiner hochgelobten Würze
doch mehr ein Blubbersaft in Kürze.
Du kommst daher im Frack
doch bleibt von Dir nur allzu oft ein schaler Nachgeschmack.

Gehalt, Geist und Beständigkeit
das überdauert doch die Zeit
Einen Wein, wie mich genießt man mit Bedacht
dort, wo man isst und trinkt und lacht
Ich dring bis in die Seele tief
und deck dort auf, was lange schlief.“

Schon schreit der Fruchtsaft in der Kiste:
„Als wenn ich das nicht besser wüßte.
Hat einer von Euch schon bedacht,
was Alkohol aus Menschen macht?
Ein Schluck zuviel, und schon sind sie am Wanken
und äußern lauthals unanständige Gedanken.

Das würd‘ mit meinen Vitaminen nie passieren
Mit mir muss man sich nicht genieren
Mit mir verlängert sich die Lebenszeit
und macht die Menschen stets zur Tat bereit.
Gesundheit ist mein Lebenssinn
in mir da stecken Bärenkräfte drin.“

So geht es hin und geht es her
Die Wahl des Besten fällt sehr schwer
Auch der Schnaps mit seiner großen Sippe
riskiert noch einmal eine dicke Lippe
Und jeder groß‘ und kleine Mischling
meint, dass er sei der größte Frischling.

Als der Tumult so laut sich hebt
dass schon der ganze Laden bebt,
springt eine Flasche in die Mitte
und sagt bescheiden: „Ruhe bitte.“
Dann dreht sie eine Pirouett‘
und weist auf ihr bescheid‘nes Etikett

Mit einem Schlag verstummt die Menge
Sogleich gibt es ein groß Gedränge.
Jede dieser vielen Flaschen
will nun einen Blick erhaschen
auf das, was in der Mitte steht
und sich ruhig im Kreis bewegt.

„Seh ich auch nicht wichtig aus
so bin ich doch in jedem Haus.
Kein Mensch könnt ohne mich bestehn.
Das Leben würd nicht weitergehn.
weil in mir die Welt den Anfang nahm
aus mir der Ursprung allen Lebens kam.

Auch ihr seid nur aus mir erweitert,
trotzdem ihr Euch hier so ereifert
So einzigartig jeder von Euch ist
und viel Bedeutung sich beimisst;
bei allem habt ihr nicht bedacht,
aus Wasser seid ihr nur gemacht.

Ich bin euer Plan zum Leben.
Ohne mich könnt’s Euch nicht geben.“

c/o Tanja Fründ

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3 Kommentare zu “Streit im Saftladen

  1. Fantastisch, liebe Tanja!!! Ich habe dieses Gedicht soooo gerne gelesen, es ist einfach nur herzerfrischend.
    Am Anfang habe ich noch überlegt, was wohl in diesem Saftladen passieren könnte, aber je näher ich dem Ende Deines Gedichtes rückte, um so klarer wurde mir bewusst, dass die letzte Flasche etwas ganz Einfaches und doch ganz Besonderes sein muss! Klar das Wasser! Ohne Wasser würde es kein Leben geben!
    Ich bin total begeistert von Deinem Gedicht, – es ist wirklich toll!
    So jetzt schenke ich mir gleich noch ein Glas Wasser ein und proste Dir damit zu 🙂
    Sei herzlich gegrüßt
    Astrid

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