Fründliche Scherereien

Ironie

3 Kommentare

Kürzlich tanzte Kind 2 (6 Jahre) auf dem Wohzimmerparkett pirouttendrehend vor sich hin. Plötzlich hielt es inne und fragte unvermittel: „Mama, ist ironisch eigentlich plattdeutsch?“ Ich musste schrecklich lachen. Aber dann fiel es mir doch schwer, Ironie zu erklären. Und ich konnte mich auch des Gedankens nicht erwehren, dass manchen Ironie wie Plattdeutsch vorkommen muss. Manche können es einfach nicht, weder verstehen noch anwenden.

Ironie ist eine Art Sprache, ein Stilmittel, eine Ausdrucksmöglichkeit, kann witzig oder beleidigend sein, ist eine Möglichkeit, Schreckliches in Worte zu fassen ohne es emotional an sich heranzulassen. Es gibt die Ironie des Schicksals, wenn Gutgemeintes sich ins tragische Gegenteil verkehrt. Es gibt Menschen, die begegnen anderen ironisch, was häufig als Arroganz daherkommt und beim Gegenüber dann auch negative Gefühle auslöst. Darüberhinaus gibt es Menschen, die begegnen sich selbst ironisch.Der Übergang von lächelnder Ironie und Beleidigung ist oft eine Gratwanderung.

Die Ironie hat eine Freundin: die Satire. Kabarettistische Ironie ist meist sehr schwer verdaulich. Die bleibt oft im Hals stecken. Meister der kabarettistischen Ironie und Satire sind z. B. Volker Pispers und Georg Schramm. Beide haben leider ihre Bühnenaktivitäten eingestellt. Ironie und auch Satire sind nix für Kleingeister. Sie können derb und fein daherkommen, rütteln auf und regen zum Nachdenken an.

Zur Ironie fand ich auf Wikipedia folgende Erklärung:

Ein Familienvater rügt eine Geldausgabe mit der Äußerung: „Wir haben’s ja.“ – Der Vater geht hier davon aus, dass das Kind um die Beschränktheit der finanziellen Mittel der Familie weiß. Beide müssen über dieses gemeinsame Wissen verfügen.

Misslingen der Ironie im Verstehensmodell

Das Verstehensmodell ist mehrstufig und auf jeder Stufe gibt es mögliche Ursachen für das Misslingen der Ironie, das Missverstehen der ironischen Äußerung.

  • Die Wissensbestände sind doch nicht geteilt: Ginge im Beispiel das Kind beispielsweise fälschlicherweise davon aus, dass die Familie reich wäre, hätte der Vater sich somit geirrt, so misslänge die Kommunikation, da aus Sicht des Kindes der Vater gegen die Maxime der Quantität verstoßen hätte, dass also aus dieser Sicht die Äußerung keine neue Information enthielte. Das Kind würde also versuchen einen Sinn darin zu finden, dass der Vater etwas Selbstverständliches sagt. Dies wäre in jedem Fall nicht das ironisch Gemeinte, im Falle, dass die Konstruktion eines Sinnes misslänge, verstünde das Kind einfach nur „Bahnhof“.
  • Der Adressat weiß doch nicht um die Geteiltheit des Wissens: Wüsste im Beispiel das Kind zum Beispiel von der Mutter um die Beschränktheit der finanziellen Mittel, und dass der Vater häufig so tut, als wäre er reich, so würde das Kind davon ausgehen, dass der Vater es anlügt, um vor dem Kind als reich dazustehen.
  • Das Kind ist (noch) nicht in der Lage, die Intention des Vaters zu konstruieren: Hat das Kind erkannt, dass der Vater absichtlich etwas Falsches gesagt hat, so muss das Kind gemäß obigem Modell versuchen, die Intention hinter der Äußerung zu erkennen. Hat das Kind beispielsweise noch nicht ausreichendes Weltwissen, hat zum Beispiel ein Kind bisher immer nur gesehen, dass das Geld aus dem Geldautomaten kommt, weiß es noch nicht, dass man keine unnützen Ausgaben tätigt usw., so kann es noch nicht die richtige Intention erschließen bzw. erkennen. Beispielsweise würde es stattdessen meinen, der Vater würde irgendeinen Scherz machen. Das Kind ist noch nicht ironiefähig, da es noch nicht in der Lage ist, komplexe Sprecherintentionen zu erkennen.[6][7]

Soviel zum wissenschaftlichen Teil. 😉 Wenn ihr bis hierher durchgehalten und nicht nur „Bahnhof“ verstanden habt, muss ich Euch echt beglückwünschen. Und das meine ich wirklich nicht ironisch!!

Allerdings sind das alles nur mangelhafte Erklärungen für ein Sechsjähriges. Kinder können Ironie noch nicht verstehen, sagt man. Aber ich versuche es trotzdem. „Also Ironie ist, wenn einer was sagt, bei dem er eigentlich das Gegenteil meint.“ Fragende Augen. „Wenn Du eine Scheibe einwirfst und ich sage: Das hast du aber toll gemacht; das ist Ironie. Weil ich meine ja gar nicht, dass Du das toll gemacht hast.“ Nee, das ist Kind 2  zu kompliziert. „Dann sag doch gleich, dass das doof war.“

In der Liebe ist Ironie übrigens fehl am Platz. Liebe muss direkt ausgesprochen werden. So würden es Kinder tun und so erwarten sie es auch von uns. Ist ja auch nicht schwer, oder? „Egal was du tust, ich hab Dich immer lieb.“ Auf Plattdeutsch: “ Egal, wat ju heff daun, ick heff di leev for jümmer.“

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3 Kommentare zu “Ironie

  1. Hallo liebe Tanja,
    bei der Frage Deines Kindes kam bei mir sofort eine Erinnerung hoch. Als unser heute erwachsener Sohn noch klein war, fragte er mich immer: „Das meinst du aber jetzt verkehrt herum, oder?“ Er hatte also schon gemerkt, dass da etwas an meiner Aussage nicht so ganz stimmte und hatte sich den Begriff Ironie irgendwie mit „verkehrt herum“ gedeutet.
    Ich schicke Dir herzliche Grüße und wünsche Dir schon jetzt ein schönes Wochenende
    Astrid

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  2. Das ist eine gute Erklärung! So ist es ja auch mit der Ironie. Deshalb finde ich diese Art des verbalen Ausdrucks auch so interessant. Man kann aber immer nur hoffen, dass man jemandem begegnet, der das auch verstehen kann, sonst kann das mächtig ins Auge gehen. Dir auch ein schönes Wochenende. Hier kommt gerade endlich die Sonne durch. LG Tanja

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  3. Schiet egal, wat du maget häs, ick häbbe deu life. O, mein plattdeutsch ist furchtbar – aber wir würden es hier anders sagen, als du schreibst. Ich habe es zumindest versucht! – lach! Nein, Ironie verstehen Kinder nicht. Das habe ich auch schon gemerkt. Ich finde es auch schwierig, wenn man schriftlich etwas ironisch meint – in den Blogs zum Beispiel. Ich hab schon mal dazu geschrieben: Achtung, das meine ich jetzt ironisch! – weil ich nicht sicher war, ob es der Leser auch so versteht!! Eigentlich sollte man es lassen – eigentlich! LG übern Berg! Martina

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