Fründliche Scherereien

Kindergeburtstag

4 Kommentare

Welch ein schönes und brisantes Thema! Alljährlich wiederkehrend, immer so überraschend wie Weihnachten vor der Tür steht. 😉 – die Kindergeburtstage. Jedes Jahr wieder eine neue Herausforderung, denn die Kinder sind größer geworden, finden Schatzsuche je nach Tagesform megacool oder megapeinlich. Wollen Tischdeko aber nicht so rosa wie im letzten Jahr, weil jetzt ist die Lieblingsfarbe ja blau….Schlage einen Fischegeburtstag vor…“Mit Fischstäbchenessen?! – Auf keinen FALL!“ (Auch nicht als Variante mit Stäbchen Fisch essen. 😉 Also bewege ich mich als perfektionierte Mutter in einem Wahn aus Geschenkebesorgen (welches vor allem aus guten Vorschlägen für andere besteht, die ja dem Kind auf jeden Fall eine große Freude machen wollen), aus Diskussionen, wieviele man so einladen darf und was man denn so erleben will. Vieles will bedacht sein; „Wenn ich Robert einlade, muss aber sein bester Freund Klaus auch mit, sonst kommt der Robert erst gar nicht.“ Klaus steht aber in dem Ruf, regelmäßig Türen und Schränke zu zerlegen, einfach weil er mal gucken will, wie die Teile verschraubt sind. Nele und Karina verstehen sich überhaupt nicht, sind aber „alle beide meine besten Freundinnen“ und stoppen eifersüchtig die Zeit, die sie auf dem Platz neben dem Geburtstagskind verbringen. Melissa will regelmäßig kein einiziges Spiel mitmachen und Carola kann bei Siedler nicht verlieren. Anton mag keine Würstchen und Max hat eine Fructoseallergie.

Und nun stellt Euch vor, es ist der Tag vor dem Großereignis. Wunderbarer Geruch strömt aus dem Backofen. Ein Traum von Rührteig geht in der neuen Gugelhupfform im Backofen auf. Stolz sehe ich mich in meiner Phantasie das Meisterwerk mit Puderzucker bestreuen und mit Zuckerschrift verzieren. Wie die Jacobs-Krönungs-Mama stelle ich den Geburtstagskuchen unter dem Applaus der Gäste auf den Tisch. Das Geburtstagskind pustet mit roten Wangen die Kerzen aus, gluckst fröhlich und klatscht in seine kleinen Patschhändchen. Wunderbarer ….Traum!

Als ich den Kuchen aus der Form holen wollte, tat sich natürlich nichts. (Ist ja auch der Tag davor – da hat man noch Zeit!) Also nicht die Nerven verlieren. Nach mehreren ruckartigen Schüttelbewegungen löste sich der Boden vom Topfkuchen und klatschte dampfend und wunderbar riechend auf das Kuchengitter. Der Rest blieb ebenso wohlduftend in der Form. Vorsichtiges Lösen mit dem Messer bescherte mir also eine zerbröselte Unterseite und eine wohlgeformte Oberhälfte, nur leider unten offen.

Kein Problem, machen wir halt Schokoladenkuvertüre drauf. Da es aber schon spät abends war, verschoben wir es auf den nächsten Tag. Bis zum Kaffeetrinken war ja noch Zeit.

06.00 Uhr Wecker klingelt. Alles springt auf, das Geburtstagskind selbstverständlich als erstes. Radio N-Joy ruft den Mittelfingermittwoch aus. Mehrere Leute posten zum Radiosender, was Ihnen heute schon für Missgschicke passiert sind. Das Geb.-Kind hat sein dreckigstes T-Shirt angezogen und wird unter Protest wieder zurück an den Kleiderschrank geschickt. Nach dem ersten Schluck Kaffee geht es daran, das Missgeschick des vorangegangen Abends wieder ins Reine zu bringen bzw. das Beste draus zu machen. Mit Kuvertüre geht alles: Kuchen reparieren, schwarze Schuhe neu besohlen, verbrannte Plätzchen bedecken, Piratenzähne zu Karneval schminken….Leider ist die im Schrank befindliche Tüte erstens schon älter, zweitens so hart und nicht zu knacken, dass ich meinen Mann fast gebeten hätte, die kleine Säge aus dem Keller zu holen. Drittens verträgt sie leider das Wasserbad nicht, weil sich irgendwie Wasserdampf in den Topf geschmuggelt hat. Zurück bleibt eklig braune Schuhcreme, die nach Zucker schmeckt. Mittlerweile knurrt der hausfrauliche Magen, das Geburtstagskind will in den Kindergarten, der Kuchen sieht immer noch so aus wie am Abend vorher, Kind 1 hat den Bus verpasst und muss zur Schule gebracht werden. Rase zum Lebensmittelmarkt, sacke zur Sicherheit drei verschiedene Sorten Schokokuvertüre ein und wähle die, die am schnellsten zuzubereiten ist, verbrenne mir zu Hause an der heißgemachten Tüte die Finger. Kuvertüre läuft flüssig aus dem Beutel, wird aber nicht mehr rechtzeitig fest. Kuchen in den Kühlschrank, nutzt nix. Geburtstagskind wird von Göttergatte im KiGa abgeliefert, während Mama noch schnell Gummibärchen kauft. Fructose-Max muss in die Röhre gucken, tut mir leid.

Das Radio hat immer noch Missgeschicke parat, Gunter Gabriel hatte nur einen Schlüpfer mit im Dschungelcamp, höre ich da. Ich denke noch, die Welt hat Probleme….da wird mir klar, dass ich den Schneeanzug vom Geburtstagskind zu Hause vergessen habe. Nachdem ich die zweite Runde zum Kindergarten gefahren bin, mache ich mich endlich an die eigentliche Vorbereitung. Draußen schneit’s, juchuh – also plane ich eine Schneeolympiade. Das geht ganz schnell, ich schaffe es sogar noch Urkunden zu drucken, Medaillen zu basteln und bin unglaublich stolz auf mich. Es ist 12.00 Uhr. Der Schnee taut schneller, als ich den Schlitten abstauben kann. Mittelfingermittwoch, ich komme!

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4 Kommentare zu “Kindergeburtstag

  1. Ich musste wirklich schmunzeln. Herrlich, wenn man nicht mittendrin steckt.
    Kindergeburtstage sind immer unberechenbar, aber ich habe diese kleinen oder größeren Veranstaltungen immer sehr gemocht. Die Kreativität und der Phantasiereichtum der Mutter ist gefordert. Wir haben die Geburtstage immer unter einem bestimmten Motto gemacht. So hatten wir einmal das Motto „Weltreise“ und als dann meine Schwägerin kam, die Stewardess ist, habe ich sie als Chinesin „verkauft“. Sie musste den Kindern zeigen, wie man mit Stäbchen Erdnussflips isst.
    Ach ist das schon lange her!
    Lächende Grüße von
    Astrid

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    • Hallo Astrid, das ist eine coole Idee, das mit der Weltreise. Das merke ich mir mal fürs nächste Jahr. Wir haben nämlich eine coole Musik-CD dafür „Nola Note auf Weltreise“. Wir haben den Geburtstag gut überstanden und natürlich ist vieles auch ein bißchen augenzwinkernd und ein kleines bißchen überzogen, wenn ich das so aufschreibe. Ich versuche die MIssgeschicke immer noch mit Humor zu nehmen und finde ich mich oft unter Gleichgesinnten. LG Tanja

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  2. Wunderbar geschildert und wie Astrid schon schreibt: Großartig, wenn man es liest aber nicht, wenn man mittendrin steckt! So reibungslos wie in der Werbung geht es wohl in keiner Familie ab. Wir haben hier auch schon seit Wochen Debatten um den nächsten Kindergeburtstag. Es ist der 6. – natürlich etwas ganz Besonderes. Sie verkündete: ‚Zum Geburtstag bekomme ich einen Ranzen‘ – ich: ‚Und wenn nicht‘ – sie mit den Händen links und rechts in die Hüften gestemmt: ‚Wann soll ich ihn denn sonst bekommen?‘ – Ätsch – blöde Oma – Mittelfingermittwoch!!! Lach!! — Die Gästeliste liest sich ähnlich wie bei dir: Wenn ich X einlade, muss ich Y in jedem Fall auch einladen usw. usw. – genau wie von dir beschrieben. Und weißt du was? Die mit der Allergie sind die Kinder bei uns im Haus! 🙂
    Danke für den herrlich zu lesenden Post! LG Martina

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    • Hi Martina, das ich cool, dass Euch auch ein Kindergeburtstag ins Haus steht. Ich bin überzeugt, Deine Tochter ist an diesen Tagen besonderes froh, eine hilfreiche Oma zur Hand zu haben. Ich war es jedenfalls. Natürlich scheibe ich manchmal ein bißchen überzogen und ironisch, versuche immer über mich selbst noch zu lachen, sonst könnte ich das Chaos gar nicht aushalten. Ich hoffe, Deine Enkel sind nicht allzu belastet mit Allergien und Unverträglichkeiten. Das ist nämlich schon eine doofe Situation für Kinder, wenn sie auf Geburtstagen nicht so wie die anderen Kinder „zuschlagen“ können. Auf der anderen Seite erlebe ich gerade diese Kinder als sehr vernünftig und selbstbewusst. LG Tanja

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