Fründliche Scherereien

Buchempfehlung: Alles Licht das wir nicht sehen – Anthony Doerr

Ein Kommentar

https://i0.wp.com/www.chbeck.de/productimages/rsw/images/products/9783406667510_cover.jpgEs gibt Bücher, die liest man und wenn man sie zu Ende gelesen hat, dann legt man sie weg und es vergeht einige Zeit, bis man das nächste Buch zur Hand nehmen kann. So ging es mir mit dem Roman „Alles Licht, das wir nicht sehen“ von Anthony Doerr. In wunderschöner Sprache beschreibt er ein grausames Kapitel Weltgeschichte: die Zeit des zweiten Weltkriegs. Natürlich ist diese Zeit schon in vielfältigster Weise aufgearbeitet, beschrieben und verfilmt worden. Anthony Doerrs Roman hebt sich jedoch auf eine ganz besondere Art durch seine Erzählweise ab. Er erzählt eigentlich zwei Geschichten, zwischen denen er immer hin und her springt, die sich im Verlaufe der Handlung kreuzen und einen spätestens ab diesem  Zeitpunkt so fesseln, dass sie einen am Ende nicht mehr loslassen.

Da ist zum einen die blinde Marie-Laure, die mit ihrem Vater vor den einmarschierenden Deutschen aus Paris nach St. Malo flüchtet. Im Gepäck haben sie einen unbezahlbaren Schatz, an dem viele Menschen Interesse haben, vor allem ein todkranker deutscher Stabsfeldwebel. Sie lebt von da an mit ihrem Vater bei ihrem als verrückt geltenden Onkel Etienne, den der erste Weltkrieg fast um den Verstand gebracht hat. Etienne und Marie-Laure verbindet bald eine Seelenfreundschaft.

In Deuschland wird zur gleichen Zeit ein Junge namens Werner mit seiner Schwester in einem Heim groß. Berührend beschreibt Doerr die Geschehnisse, die aus Werner einen Jungen des deutschen Reichs machen, obwohl er rein körperlich nicht die Voraussetzungen hat. Es ist eine Frage des Überlebens, die ihn dazu bringen, eine Eliteschule der Nationalsozialisten zu besuchen und dort unter der Regie eines fanatischen Lehrers Geräte zu entwickeln, die die verbotenen Funkgeräte auch der französischen Widerständler ausfindig machen.

Am Anfang scheinen die beiden Geschichten nichts miteinander zu tun zu haben, doch entwickeln sie sich stetig aufeinander zu. Mitten im Roman verweben sie sich zu einem schicksalhaften Moment, um dann wieder auseinanderzugehen und eigene Wege einzuschlagen.

Das schönste ist die Sprache mit der Anthony Doerr erzählt. Er erzählt nicht in der Vergangenheitsform, sondern benutzt die Gegenwartsform. Darum hat man jederzeit das Gefühl mitten im Geschehen und bei den handelnden Personen zu sein. Ich habe selten einen Roman gelesen, der die Schrecken dieser Zeit so zart und einfühlsam und doch so bildreich und kristallklar beschreibt. Das Buch strotzt nicht vor Action. Detaillierte minutiöse Schilderungen von Grausamkeiten enthält es nicht. Of reicht ein einziger Satz, um sowohl das Grauen als auch die schönen Augenblicke inmitten von Angst und Unterdrückung zu beschreiben.

Mit diesem Buch gewann Anthony Doerr den Pulitzer Preis 2015. Nähere Informationen zum Autor gibt es hier.

Das Buch ist erschienen im C.H. Beck Verlag.

 

 

 

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Ein Kommentar zu “Buchempfehlung: Alles Licht das wir nicht sehen – Anthony Doerr

  1. Liebe Tanja,
    danke für diese Buchempfehlung. Dich hat dieses Buch in den Bann gezogen, das spürt man. Und mich macht Deine Empfehlung neugierig. Ich werde ganz sicherlich nach diesem Buch Ausschau halten, doch erst muss ich mein jetziges zu Ende lesen. Dann marschiere ich wieder in die Buchhandlung und damit ich diese Empfehlung nicht unberücksichtigt lasse, setze ich mir jetzt gleich ein Lesezeichen.
    LG
    Astrid

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