Fründliche Scherereien

Störenfried

5 Kommentare

Es legt der Schläfer sich des Abends nun
auf seine Bettstatt, um zu ruh‘n,
zieht sich die Decke unters Kinn
und hat nur noch im Sinn,
die Augen zuzumachen und beizeiten
ins Land der Träume zu entgleiten

Nach ein paar Atemzügen dann
er nicht mehr richtig schlafen kann.
Ans Ohr ihm dringt ganz leise
und dann auf immer laut‘re Weise
ein Geräusch, ein Summen, ein feiner Laut,
der ihm schon aus den letzten Sommern sehr vertraut.

Noch meint er sich zu täuschen,
es gibt ja vieles an Geräuschen!
Quaken aus des Nachbarn Teich
und Autos aus dem Straßenreich
ein Mofafahrer dann und wann;
dabei man selig schlafen kann.

Doch glaubt mir, wenn ich Euch berichte:
Der Laut kommt näher an’s Gesichte
und dann auch ganz nah an die Ohren!
Jetzt hat der Schläfer doch verloren.
Mit Wut fährt er im Bette hoch,
mit einem Blick zum Wecker noch
und grauenhaftem Fluchen
macht er sich dran, den Plagegeist zu suchen.

Das Licht geht an und fast sofort
verstummt das Summen da vor Ort.
Im Bett der Schläfer, aufrecht stehend
mit dem Schlappen in der Hand die Wand ausspähend
und bereit zum Äußersten zu gehen
doch wie erwartet: Nichts zu sehen!

Mit List und Tücke will der Schläfer‘s wagen
den ungebetenen Gast zu jagen.
Das Licht geht aus und wartend liegt er
und denkt: Na warte wohl. Ich bleibe Sieger.
Die Luft im Zimmer scheint zu flimmern,
doch nichts zu hören, nicht ein Wimmern.

Nach fünf Minuten, die wie endlos rannen,
fängt der Schläfer an, sich zu entspannen,
lauscht noch einmal in die Dunkelheit
macht sich dann zum Schlaf bereit,
atmet tief von Herzen aus und ein
und wähnt sich selig ganz allein.

Dass das nicht lange gutgeh’n kann, ahnt jeder.
Schon bald geht es dem Schläfer wiederum ans Leder.
Der Angriff startet aus dem Hinterhalt.
Doch diesmal schneller mit Gewalt
im Blutrausch stürzt die Plage sich
auf alles, was Erfolg verspricht

Jetzt eskaliert der Krieg im Zimmer.
Der Schläfer glaubt noch immer,
dass er gewinnen kann die Schlacht,
indem kurzen Prozess er macht.
Man sieht ihn aus dem Bette hetzen.
Er ist bereit: zum Allerletzten.

Man sieht ihn schlagen, wild, mit allen Dingen
die er um sich herum kann finden.
Man hört ihn wüten, toben, speien
und wilde Flüche herausschreien,
bis er in einem Tobsuchtskrampf
verloren hat den Kampf.

Als nächstes sieht man ihn darniederknien
und in sein Bette zurückflieh’n.
Vor einem kleinen David hat
kapituliert der große Goliath.
Und völlig ausgelaugt und stumm vom Schrein
schläft unser Schläfer auf der Stelle ein.

Derweil der ungebetene Gast
noch schnell macht eine kurze Rast,
spannt seine kleinen Flügel weit
und ist nun für sein Abendbrot bereit.
Und denkt sich, während er schon saugt und sticht:
„So hab ich Dich nun doch „gekricht“.

c/o Tanja Fründ

 

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5 Kommentare zu “Störenfried

  1. Liebe Tanja,
    ich kann nur sagen: Super!!! Ich habe herzhaft gelacht. So geht es mir auch immer. Die Mücken lassen meinen Mann selig schlafen und scheinen sich voll und ganz auf mich zu konzentrieren. Ich verliere den Kampf immer, die Mücken laben sich an meinem Blut und am nächsten Morgen habe ich die juckenden Pusteln 😉
    LG
    Astrid

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  2. Großartig! Wer hat sich – und diese Situation – wohl nicht wieder erkannt! Klasse, wirklich! Übrigens sagte mir mal ein Onkel vor langer Zeit: Wenn du sie hörst, nicht danach schlagen. Warten, bis es still wird. Dann mach das Licht an. Ich wette mit dir: Der kleine Quälgeist sitzt direkt über deinem Kopf an der Wand! Was soll ich sagen: Er hat recht (meistens) – lach!!!! Danke für das gelungene Gedicht! LG Martina

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    • Liebe Martina, das versuche ich auch. Aber unsere Mücken scheinen höher entwickelte Wesen zu sein. Die verstecken sich auch bei Licht noch echt gut. Da kann ich noch so geduldig sein. 😉 LG Tanja

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  3. Liebe Tanja,
    oh diese Situation kenne ich zu genau. Und mich mögen sie besonders, aber ich sie nicht. Alles Liebe Eva

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