Fründliche Scherereien

Ist ein Raumschiff, das ausschließlich mit Frauen besetzt ist, eigentlich unbemannt?

2 Kommentare

Jawoll. Ein Raumschiff voller Frauen kann nicht nur, das muss sogar unbemannt sein! Ein Raumschiff ohne Frauen allerhöchstens unbefraut. Na ja, soweit waren wir ja schon seit Jahren. Wir sprechen vor versammelter Mannschaft alle Spielerinnen und Spieler an, Zuschauerinnen und Zuschauer, Herrinnen und Herren. Es ging angeblich sogar so weit, dass im Programmheft eines Kirchentages tatsächlich von Pappeimerinnen und Pappeimern die Rede gewesen sein soll. Da waren dem Korrekturleser oder der Korrekturleserin wohl einmal die Augen zugefallen und er oder sie hat einfach, ohne es zu merken, weitergemacht mit der Verweiblichung aller relevanten männlichen Endungen. Egal ob an der Geschichte was dran ist, witzig ist die Vorstellung allemal. Dann war es eine Weile gut, aber zur wirklichen Gleichstellung zwischen Mann und Frau trug das auch nicht bei. Papier ist halt geduldig. Und dieses krampfhafte überdrehte Verweiblichen von Nomen klang oft übertrieben und doof und hat sich demzufolge auch nicht durchgesetzt.

Dieses geduldige Papier hält auch jetzt wieder aus, dass aus Studentinnen und Studenten Studierende werden, aus Zuhörerinnen und Zuhörern Zuhörende. Bei dieser Gelegenheit fällt mir noch ein, dass es in diesem speziellen Fall auch wieder zu Missverständnissen kommen kann. Denn wer ist hier gemeint: die Zuhörenden, die beispielsweise vor dem Radio sitzen? Oder die, die Krach veranstalten, also zu hören sind, quasi die aktiven zu hörenden Zuhörenden… äh …Musik machenden???? Und vor allem: Wie wird das alles nach neuer Rechtschreibung geschrieben? Jetzt hab ich mich aber vergaloppiert…Herzliche Grüße an Bastian Sick! Der soll doch mal kommen und mich hier an dieser Stelle gefälligst wieder rausholen aus dem sprachlichen Dschungel…….

Wie man es auch dreht und wendet: So lange sich in den Köpfen von Entscheidern in Personaletagen nix ändert in der Denke zwischen Männern und Frauen, solange können wir auf Papier schreiben, was wir wollen, gleich machen, was wir wollen und diffizil unterscheiden, was wir wollen…Es ändert sich in der Realität nix. Ein Großteil unserer Bevölkerung hat, so wie ich das erlebe, auch gar keine Zeit für solche diffizilen Mätzchen. Die meisten arbeiten nicht nur in einem Job, sondern gleich in mehreren, um ihre Familien über Wasser zu halten und sind weit entfernt davon, zu unterscheiden, ob sie nun dem Entscheider, der Entscheiderin oder einem Gremium von Entscheidenden gegenüberstehen.

Wichtig ist doch, dass der Entscheidende auch entschieden entscheiden kann, einem Menschen (denn das sind wir wohl alle, zumindest ist das kleinste gemeinsame Nenner auf dem wir uns begegnen können) Arbeit und angemessenen Lohn zu geben. Oder Erziehungszeit nehmenden Menschen mit dem gleichen Respekt zu begegnen, egal ob Mann oder Frau.

Manchmal überlege ich, was Captain „Macho“ Kirk wohl zu diesen Ausführungen sagen würde. Vermutlich würde er Dr. „Pille“ McCoy holen und Scotty anweisen, mich mit Warp-Geschwindigkeit auf den nächsten zivilisationsfreien Planeten zu beamen. Da könnte ich mich dann geschlechtsneutral austoben und mich im Anschluss von den Borg assimilieren lassen. Ach, schon wieder daneben. Die Borg waren ja eine Generation weiter. Muss also auf die „Enterprise – Next Generation“ und Captain Picard warten. Liebe Trekkies verzeiht mir bitte.

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2 Kommentare zu “Ist ein Raumschiff, das ausschließlich mit Frauen besetzt ist, eigentlich unbemannt?

  1. Liebe Tanja,
    Du hast recht, Papier ist geduldig und diese unbedingte Verweiblichung der Nomen ist nicht das, was wirklich eine Gleichberechtigung bringt. Ich habe mich noch als Student eingeschrieben. Später sagte man Studentin und mein Sohn und seine Freundin sind nicht Student und Studentin. Nein, sie sind Studierende. Was hat das für sie persönlich geänder? Studieren und lernen müssen sie beide. Ihr Status ist also noch so wie früher. Das ist manchmal doch nur ein Spiel mit den Worten für die gleiche Sache und hat nichts mit der Chancengleichheit der Geschlechter zu tun. Das steht dann wieder auf einem anderen Blatt.
    LG
    Astrid

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    • Liebe Astrid,
      ich habe lange überlegt, ob ich zu diesem Thema überhaupt etwas schreiben sollte. Denn ich weiß, dass das ein heises Eisen ist und vielleicht fühlt sich die eine oder andere aus der Frauenbewegung oder aus dem Genderbereich jetzt auch veralbert. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ich wollte damit einfach nur ausdrücken, dass man aufpassen muss, dass man es nicht übertreibt und die ganze Angelegenheit lächerlich wird. Ich könnte mir vorstellen, dass es Machtmenschen gibt, die es nur allzu gut finden, wenn sich Leute mit sprachlichem Durchdiskutieren beschäfitgen anstatt auf die „Barrikaden“ zu gehen. 😉 Hunde die bellen, beißen halt nicht. LG Tanja

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