Fründliche Scherereien

Sommerabende

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Die Sommerabende beschließe ich gerne mit einem Glas Wein auf der Terrasse. Ein laues Lüftchen weht, der Mond geht hinter der alten Friedhofslinde auf. Von der nahen Bundesstraße wehen stetige Verkehrsgeräusche herüber, unterbrochen vom gelegentlichen kurzen Schranzen einiger Möchte-Gern-Vettels beim Anfahren an der nahen Eisdiele. So weit so gut und so vertraut. Doch an diesem Abend ist alles anders. Es liegt Unheil in der Luft. Mein Glas vibriert schon beim Einschenken. Kleine Wellen auf der Oberfläche zerstören das friedliche Schimmern meines Grauburgunders. Das sind die Schallwellen der wummernden Töne einer Bassbox., die sich da in meinem Glas abbilden. Zuerst nur zaghaft dann ab 22.00 Uhr immer selbstbewusster steigern sich die Beats zu einem ohrenbetäubenden Stampfen. Es klingt, als ob Tyrannosaurus Rex höchstpersönlich aus dem Jurassic Park ausgebrochen wäre. Doch damit nicht genug. Das rhythmische Stampfen wird nun unterlegt von einem beständigen Dröhnen, das aus der Richtung erntereifer Felder herüberschallt. Ein großer Mähdrescher gibt sich die Ehre und übertönt die Discomucke. Offensichtlich stört es auch die Fetenmusik. Es beginnt ein Wettstreit in Lautstärke, bis die Boxen nur noch schrebbeln. Es hat sich ausgestampft. Jetzt kreischt der „Dezibel-Tyranno-Saurus“ nur noch. . Mit Verstummen der Stampfparade ist offensichtlich auch die Fete beendet. Von Westen nähern sich die ersten laut gröhlenden Partygänger auf der Straße. 3 Leute und vier verschiedene Stimmlagen schmetttern ein Potpourri der schönsten Schlager. Dabei wandern die Sangeskünstler aber alles andere als „Atemlos durch die Nacht.“ Sie verbringen noch eine dreiviertel Stunde im Hocksitz mitten auf der Straße am Zigarettenautomaten und versorgen mich und die Nachbarschaft mit den neuesten Neuigkeiten. Leider sprechen sie in „Lall-Sprache“. An dem Pegel befinde ich mich mit meinen paar Glas Wein noch lange nicht, sodass ich mich nicht mal dazustellen und mitreden kann. Nachdem ich weinselig zu Bett gegangen bin, dringt eigentlich für den Rest der Nacht nur noch der sägendeTon einer wehrhaften Mücke an mein Ohr. Ich beschließe ihr ihren Spaß und mein hochprozentiges Blut zu überlassen, nicht ohne ihr von Herzen eine schöne Alkoholvergiftung zu wünschen und schlummere endlich weinselig dem nächsten Tag entgegen.

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5 Kommentare zu “Sommerabende

  1. Das war ein sehr unterhaltsamer Sommerabend, den Du da geschildert hast. Es hat mir wahrscheinlich mehr Vergnügen bereitet dies zu lesen, als Dir dem Dröhnen der Musik und des Mähdreschers zu lauschen. Manchmal ist es bei uns ähnlich. Dann dringt vom Sportplatz die Musik, das Knallen von Feuerwerkskörpern und die Stimmen durch die laue Sommerluft zu uns herüber. Ich erinnere mich an die Fußballweltmeisterschaft und „unseren“ Sieg. Wir waren bestens informiert und hätten unseren Fernseher gar nicht gebraucht. Zum Schluss saßen wir mit Nachbarn bei uns vor dem Haus und haben mit Sekt auf den Sieg angestoßen, obwohl wir keine Fußballfans sind.
    LG und ein bisschen mehr Ruhe für den heutigen Abend auf der Terrasse
    Astrid

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    • Liebe Astrid, nach dem dritten Glas Wein habe ich nur noch gestaunt und alles locker genommen. Mein Mann und ich haben dann FAhrzeuge-Raten gemacht, anhand der Geräusche, die sie machen, einschl. Vermutungen anstellen über das Aussehen und Gebaren der jeweiligen Fahrer. 😉 LG Tanja

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  2. Herrlich zu lesen und ich weiß sogar, von welcher Eisdiele du sprichst! Ich kann dir nur raten, wenn es das nächst Mal bei dir so zugeht, setz dich ins Auto und komm zu mir auf den Balkon. Friede, Freude Eierkuchen – okay, manchmal stören auch hier Mähdrescher oder Traktoren die Idylle – aber selten!!! 🙂 Das ist der Vorteil, wenn man auf dem Dorf lebt!!! Liebe Grüße von Martina, die vom Balkon aus schreibt – ohne Lärm aber leider auch ohne Wein!!!

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    • Liebe Martina, wieviel wir davon mitbekommen, hängt auch immer damit zuammen, von wo der Wind kommt. Haben wir Südwind, dann können wir direkt teilnehmen am Verkehrsgeschehen. Haben wir West- oder Ostwind, dann ist alles im Lot und bei Norwind hören wir gar nix. (Dann sitzen wir aber auch nicht mehr auf der Terrasse.;-) LG Tanja

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  3. Liebe Tanja,
    deshalb lebe ich meiste Zeit in Norwegen,da schreit nachts mal ein Tier. In Deutschland lebe ich naCH hinten hinaus mit schöner Parkanlagen, eigentlich recht ruhig.Nur nebenan ist ein Appartementhaus und im Sommer ist das die Hölle, wenn jeder seine Fenster auf hat. Ich kann nachvollziehen, wie Du leidest. Liebe Grüße Eva

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