Fründliche Scherereien

Gerüchteküche

4 Kommentare

Durch eine Geschichte  „Schon gehört“ von Astrid, auf die ich in diesem Beitrag einmal verlinken möchte, ist das Thema Gerüchte  in mein Blickfeld gerückt. In Astrids Geschichte nehmen die Ereignisse einen Verlauf, den man sich wünschen würde. Doch in vielen Beziehungen, beruflichen Karrieren oder Freundschaften richten sie viel Schaden an. Das eine unbedachte Wort, die eine abfällige Bemerkung, das Verziehen der Mundwinkel nach unten oder das beredte Schweigen, wenn es eigentlich gelte, der Wahrheit zu ihrem Recht verhelfen oder einfach auch nur zuzugeben, dass man es eigentlich nicht selbst weiß, sondern nur aus dritter oder vierter Hand gehört hat, kann Steine ins Rollen bringen, die die Betreffenden überhaupt erst bemerken, wenn schon alles kaputt ist.

In meinem Lesebuch aus der achten Klasse fand sich das Bild „Das Gerücht“ von A. Paul Weber, das sehr deutlich veranschaulicht, wie Menschen sich an ein Gerücht hängen. Es hat mich sehr beeindruckt und jedes Mal, wenn ich ein „Gerücht“ höre, fällt es mir wieder ein. Das Gesicht des Gerüchts ist gar nicht mal so unheimlich. Die spitzen Ohren vernehmen zwar alles und drücken eine unbändige Neugierde aus. Gefährlich und unheimlich wird es erst durch den Schwanz, den es nach sich zieht. Es besteht aus vielen Augen, die alles um sich herum registieren, einer langen Nase, die wahrscheinlich jede sich bietende Witterung aufnimmt und vielen vielen interessierten Zuschauern und Zuhörern.

Viel schwerer als das Gerücht selbst aber wirkt meiner Meinung nach das Urteil, das man aus diesem Wissen oder Halbwissen fällt; die Gefühle, die es freisetzt und die darauf folgenden Taten. Ein Phänomen ist dabei, dass sich schlechte Gerüchte wesentlich schneller verbreiten als gute. Darum haftet dem Gerücht ja auch so etwas Negatives an. Klatsch und Tratsch gehören zum Leben eines jeden Menschen dazu. Die Frage ist immer, wie geht man damit um. Wann gehört die Wahrheit auf den Tisch? Wie relativ ist Wahrheit, wenn jeder eine Tatsache doch anders wahrnimmt? Vor allem, wenn Gefühle im Spiel sind.

Objektivität ist vielen Menschen viel zu anstrengend. Das bedeutet nämlich, dass man sich zwei oder vielleicht noch mehr Seiten anhören muss, um überhaupt zu einer Meinung zu kommen. Aber ich denke, nur so verliert ein Gerücht seine Unheimlichkeit und nur so kann letzten Endes Schaden klein gehalten oder bestenfalls sogar vermieden werden. Und einem Gerücht entgegenzutreten ist auch letztlich eine Sache der Zivilcourage.

Zum Abschluss dieser Gedanken noch ein kleiner humorvoller Rückblick auf ein Gedicht, dass ich im letzten Jahr schon in diesem Blog veröffentlicht habe.

 

Es war einmal ein kleiner Satz,
der lag bei Nachbars auf der Lauer
und wob sich ein in einen Schwatz
quer über eine Gartenmauer.

„Ja, weißt Du”s schon?! Frau Meier hat
ihr Kleid ganz falsch ’rum aufgehängt
Du weißt schon dieses hässliche,
das ihr ihr Mann zum Hochzeitstag geschenkt.“

Der kleine Satz flog über’s Haus.
Nun war er richtig stark und wach.
Er flog vorbei an Müllers Maus
und Mahlers Spatzen auf dem Dach

„Frau Meiers Mann hat ihr wohl bloß
so’n hässlich Kleid geschenkt.
Im Geiz war der schon immer groß!
Drum wohnen die auch so beengt.“

Der kleine Satz war schon recht lang,
als er bei Schmidts die Hintertüre nahm.
Schmidts Minna war’s schon Angst und Bang,
dass sie als letzte nur die Neuigkeit vernahm.

„Meiers ziehn aus, weil’s Haus zu klein?!!
Wer hätte das gedacht?”
“Naja, die war’n schon immer’n bisschen fein.
Das hab ich immer schon zu Karl gesacht!“

„Und sagen uns kein Sterbenswort
Das vergess ich ihnen nie.“
„Die warn schon immer so verbohrt
Richtig gemocht hab ich die nie.“

So flog der Satz von Haus zu Haus.
Längst war er nicht mehr klein.
Gar viel zu viele Worte mischten sich
in seinen Ursprung ein.

Es war schon spät, Frau Meier kam
holte ihr Kleid sich von der Leine,
nahm ihren Mann lieb in den Arm
und ging ins Haus. Im Mondenscheine
lag unser Satz mit fahlen Wangen.
Die Puste war ihm ausgegangen,
dem kleinen Schuft
bei soviel heißer Luft.

Tanja Fründ

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4 Kommentare zu “Gerüchteküche

  1. Oh ja, Gerüchte! Darüber ließe sich bestimmt ein ganzes Buch schreiben!!!
    Dein Gedicht ist übrigens ganz große Klasse!!! LG Martina

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  2. Danke liebe Tanja, für die Verlinkung,- ich habe es auf meiner Seite ebenfalls gemacht.
    Diese Gerüchte sind einfach nur schrecklich. Das „Opfer“ erfährt es meist als Letzter und nur rein zufällig. Die Leute reden immer hinter dem Rücken des Betroffenen, aber keiner wagt es „das Opfer“ darauf anzusprechen. Ich spreche bewusst von Opfer, denn die meisten Gerüchte sind schlechter Natur.
    Danke für Deinen Beitrag und das tolle Gedicht.
    Ich wünsche Dir eine geruhsame Nacht und einen schönen Sonntag
    Astrid

    Gefällt mir

    • Liebe Astrid, ich bin mittlerweile dazu übergegangen, Gerüchte durch Nachfragen erstmal auf das zu reduzieren, was sie sind, nämlich Mutmaßungen. Oft reicht schon ein Satz wie: „Oh, das habe ich ja noch gar nicht gehört. Da muss ich xy doch einmal danach fragen.“ Dann ist meistens sofort Ruhe. 😉 LG Tanja

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