Fründliche Scherereien

Urlaub zu Hause – geht das überhaupt?

4 Kommentare

Kreta, Mallorca, Teneriffa, Cuxhaven, Kroatien, Holland, Dänemark…Unsere Familie, unsere Bekannten, unsere Freunde: Alle sind sie weg. Unser sozialer Kosmos ist auf dem Weg in den Urlaub. Nur ein kleiner Stern im Sternenhaufen der Urlaubsgalaxie ist noch nicht geflüchtet und wird es auch nicht tun. Das sind wir. Wir sind zu Hause.

Wie macht man das eigentlich, so einen Urlaub zu Hause? Einige schütteln den Kopf: “ Das könnte ich nie. Da kann man ja gar nicht richtig abschalten.“ „Da guckt mich der Haushalt ja die ganze Zeit an.“ „Da kriege ich ja überhaupt keinen Abstand. Und was Neues sehe ich auch nicht.“ Unvorstellbar oder machbar?

Wir sind also gerade im Selbstversuch. Erste Regel beim Urlaub zu Hause: Möglichst viel weggucken! Und zweitens: Betrachte dein eigenes Haus einfach als Ferienhaus! Heute morgen habe ich den Selbstversuch gestartet.

Also für ein gediegenes Ferienhaus hat es ausgesprochen viel Platz. Die Küche ist nicht zu groß und nicht zu klein und gut ausgestattet. Sogar eine Spülmaschine haben wir. Und Waschmaschine und Trockner. Das ist wichtig im Urlaub. Das Haus hat einen Garten mit Spielgeräten, auf denen die Kinder nach Herzenslust toben können. Hat auch nicht jedes Ferienhaus. Gute Voraussetzungen also für die allgemeinen Beschäftigungsmöglichkeiten. Kinder spielen, Eltern lesen. Vorzugsweise mit einem eisgekühlten Getränk und einer Chipstüte auf den Liegestühlen.

Unser Ferienhaus hat sogar ein Computerzimmer. Die Besitzer haben aber wohl vergessen es aufzuräumen, bevor sie das Haus für den Urlaub fitmachten. Das stört ein bißchen die Idylle. Auch die hingeworfenen Schuhe vor der Tür in den Garten sind nicht ganz so wie es ein Urlaubsparadies vermuten lassen würde. Außerdem sind es viel zu viele. Wobei Frau des Hauses da auf jeden Fall den Vogel abschießt. Also Regel 1 beherzigen: Weggucken! Oder Tür abschließen. Dieses Zimmer gehört nicht zur Urlaubszone. Basta.

Das Haus ist unterkellert und hat eine Sauna. Das ist schon mal ein Pluspunkt. Bei schlechtem Wetter ist für einen entspannten Nachmittag gesorgt. Die Kinder sind begeistert, endlich mal wieder schwitzen. Zur Zeit sitzen sie über dem Spiel „Die Siedler“ und handeln und feilschen wie die Marktweiber.

Außerdem verfügt unser Haus über 4 fahrtüchtige Räder, 3 Schlafzimmer und ein großes Bad. Wobei ich gestehen muss, dass man als Erwachsener im Urlaub zu Hause die Demarkationslinie zu den Kinderzimmern besser nicht überschreiten sollte. Hier herrscht Schrei- und Wutgefahr: „Hier sieht’s ja aus wie bei uns zu Hause. RÄUMT DAS GEFÄLLIGST WEG!“ Also Kinderzimmer auch von der Urlaubszone abkoppeln.

Bleiben noch Küche, Wohnzimmer und Esszimmer plus Terrasse. Sehr akzeptabel als Urlaubsgebiet. Aufgeräumt, gut gelüftet…Die Bücherregale gut bestückt. Allein die Fenster, na ja. Ansonsten alles gut in Schuss, auch der Garten. Kurz vorm Familienurlaub zu Hause hat der beste aller Ehemänner noch die Beete gepflegt. Wohlgemerkt nicht alle. Einige sehr üppig mit Unkraut bestückte Bereiche wuchern noch vor sich hin. Das Kräuterbeet wird beherrscht von Salbei und Zitronenmelisse. Darunter fristen Thymian und Basilikum ein dunkles Dasein. Hier also auch Regel Nummer 1 beherzigen und Wucherzone vom Urlaubsgebiet abtrennen. Oder sich einreden, es sei ein wildwachsender romantischer Bauerngarten. Hilft auch.

Die Himbeeren sind reif. Perfekt. Dieses Jahr essen wir sie also selbst und überlassen sie nicht den Vögeln.

Das einzige Manko: Wir haben von allem zuviel. Zuviel Klamotten, zuviel Spielsachen, zuviel Vorräte, zuviel CDs, zuviel Fernsehprogramm. Ich glaube, das wirklich Wichtige im Urlaub ist, dass weniger mehr ist. Das ist der eigentliche Unterschied zwischen Urlaub zu Haus und Urlaub woanders. Ansonsten gilt:

Aufstehen tun wir, wann wir wollen und essen, wann wir wollen. Ins Bett gehen: spät. Ausflüge: Zoo, Freizeitpark, Wald, Schwimmbad, Binnensee, Eisdiele. Alles möglich.  Wir haben gerade erst angefangen, aber im Urlaub an der Nordsee brauchen wir auch immer drei Tage um richtig anzukommen. Hinter mir dudelt „Seeräuber Moses“ aus der Anlage. Schrebbel-Schrebbel-Schrebbel. Die Kinder keifen sich an beim Spiel. „Duuuu bist!“ Zeter und Mordio: Kind 2 hat verloren. Heiße Tränen fließen. Das ist im Urlaub woanders auch nicht anders. Morgen sind wir bestimmt schon viel entspannter. Es ist nur eine Sache der Perspektive.

 

 

 

 

 

 

 

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4 Kommentare zu “Urlaub zu Hause – geht das überhaupt?

  1. Du hast den Urlaub zu Hause auf die dir ganz eigene Art und Weise beschrieben, so dass es für den Leser reine Freude ist, es zu lesen – sehr humorvoll! Unsere Tochter macht seit Jahren Urlaub zu Hause und sagte gerade letztens: Ich weiß gar nicht, warum ich mich dafür immer rechtfertigen muss! Ständig wird man gefragt: Und wohin fahrt ihr? Wenn ich sage, wir bleiben zu Hause, kommt nur ein mitleidiger Blick. Am Freitag war eine befreundete Familie hier – drei Kinder von 2, 6 und 8 -. Unser Pool stand im Garten und alle hatten einen ganz hervorragenden Nachmittag. Gestern fuhren sie an die Nordsee, um dort Urlaub zu machen. Meine Tochter sagte hinterher: Das ist doch Stress pur! Bei Regen ist die Ferienwohnung zu klein, die Kinder zanken, genau wie zu Hause, können sich aber nicht aus dem Weg gehen, weil die Kinderzimmer fehlen. Bei Sonne sind sie am Strand. Die Eltern können die drei aber nicht aus den Augen lassen. Da liege ich lieber im Garten, neben mir der Pool, gegessen wird draußen, gekocht kaum. Auch hier kann man es sich gut gehen lassen. Sie will gar nicht weg und viele verstehen das nicht!!! Das geht: Urlaub zu Hause – gut sogar!!!

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    • Liebe Martina,
      danke für deinen netten Kommentar. Ich kann Deine Tochter gut verstehen. Darum sind wir die ersten Jahre mit den Kindern auch gar nie so weit gefahren. Nordsee war das allerhöchste. Wir haben es immer geschafft, wenigstens eine Woche zu verschwinden. Aber um sicih zu erholen, reicht eine Woche definitiv nicht. Der Stress ist viel zu groß. Optimal sind 3 Wochen. Aber das muss man sich ja auch erstmal zeitlich und finanziell leisten können. Und die Sache mit dem Regen kann ich auch bestätigen. Das ist eine große Herausforderung, die man zu Hause wesentlich besser bewältigen kann. 😉
      LG Tanja

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  2. Es hat wieder einmal Freude gemacht Deinen Beitrag zu lesen. Ich bin gespannt, wie sich Euer Urlaub weiter entwickelt. Ich wünsche Euch jedenfalls ganz, ganz viele Spaß und wunderschöne Tage. Man muss nicht immer in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah.
    Dennoch flüchten wir jedes Jahr. Das liegt bei uns aber auch daran, dass mein Mann sonst ständig beruflich angerufen wird ( sein Lehrstuhl etc. muss ja weiter gehen und wichtige Entscheidungen getroffen werden, Absprachen stattfinden etc.). Sind wir im Urlaub nicht zu Hause, wird dies seltsamerweise akzeptiert und wir haben weitestgehend unsere Ruhe. Vielleicht sollte man zu Hause ( oder generell) das Telefon vergraben, aber es könnte ja was passiert sein.
    LG
    Astrid

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    • Liebe Astrid, dafür gibt es ja den vielgehassten Anrufbeantworter. Es erscheint einem ja manchmal unhöflich einfach nicht ranzugehen und erstmal zu hören, wer dran ist und was er will. Aber es entlastet auch. Gerade im Urlaub, Ich liebe die Dinger nicht über die Maßen, aber ich finde sie bisweilen recht praktisch. LG Tanja
      DAnke für euer Lob zu meinen Texten, das tut immer wieder gut.

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