Fründliche Scherereien

Berlin (3) – Grenzerfahrungen

Hinterlasse einen Kommentar

Fruend_20150612_21731

Wir sind in der Bernauer Straße und begehen die Mauergedenkstätte. Wer sich erinnern kann, wird die Bilder sicher nicht so schnell vergessen: Menschen, die sich in Panik abseilen, alte Menschen, die in Sprungtücher springen. Nicht wenige verletzen sich schwer, einige kommen auch zu Tode. Wenn man in diesen Teil deutscher Geschichte eintauchen will, sollte man sich Zeit nehmen und sich die Zeit für den Weg auch lassen, der an noch bestehenden Mauerresten, am alten Sophienfriedhof und an der Versöhnungskapelle entlangführt. Sehr eindrücklich sind die Audiokommentare an einer Station des Mauergedenkstätte,  in denen z. B.  die bereits verstorbene Regine Hildebrandt von diesen Tagen berichtet. Sie wohnte damals mit ihrer Familie in der Bernauer Straße und erinnert sich sehr präzise an die Geschehnisse. Weitere Zeitzeugenberichte kann man auf der Seite der „Gedenkstätte Berliner Mauer“ lesen und als Audiokommentar abspielen. Das ist sehr interessant und gibt dem Ganzen eine persönlich Note ebenso wie die Geschichte der Fluchttunnel, z. b. den mit der Nr. 57.

Es mutet heute so friedlich an. Der Sophienfriedhof kann wieder frei besucht werden und das seit mehr als 25 Jahren. Dennoch finde ich einen Blickwinkel mit dem Fotoapparat, der vielleicht noch einmal erinnern kann an die Spannung, die so lange herrschte.

 

Fruend_20150612_21713

Im Vordergrund ein alter Grabstein, direkt dahinter in nicht einmal 50 m Entfernung der Wachtturm der Grenzsoldaten.

Fruend_20150612_21703

Für jemanden, der nicht mit der Teilung groß geworden ist, sind die Mauerreste nicht besonders emotional belastet. Eine Betonmauer, so what. Ein paar sehr sportliche Jungs erklimmen mit der Hand in einem Mauerspalt die Überreste vom Bollwerk. Eine turnerisch unbekümmerte Respektlosigkeit, die aber angesichs der Bilder von Erschossenen oder anderen an der Bernauer Straße zu Tode gekommenen, aufgestellt in einer Galerie, schnell ihren Überschwang verliert. Es ist nicht nur eine historische Gedenkstätte. Wir lauschen hinein in eine Führung eines engagierten Reiseführers, der den Jugendlichen die Brisanz des Themas anhand der Geschichte von Peter Fechter näherbringt.

 

Fruend_20150612_21705

Ein paar Meter weiter befindet sich ein Aussichtspunkt, von dem aus man in eine Grenzanlage hineinschauen kann. Hinweistafeln beschreiben Aufbau und Funktionalität.

Fruend_20150612_21716Fruend_20150612_21721

Fruend_20150612_21718

Wenn Ihr auf die Bilder klickt, könnt Ihr in der Vergrößerung noch näher ranzoomen und die Beschreibung gut lesen.

Wir halten uns lange auf an diesem Weg, studieren Hinweistafeln, versuchen uns zu orientieren. Die Bernauer Straße ist heute sehr schön bebaut. Es ist schwer sich damalige Verhältnisse vorzustellen. Wo befinden wir uns eigentlich gerade? Immer wieder wechseln wir die Position. Sind wir schon Osten oder noch Westen? Oder noch im Osten und schon im Westen? Das Museumsareal ist für sich eine Besichtigung wert. Mit mehr Leben und Verständnis gefüllt hätte sicher eine Führung, auf die wir an diesem Tag allerdings bewusst verzichtet haben. Dennoch glaube ich, dass eine Führung eigentlich unerlässlich ist, um einen tieferen Einblick in die Verhältnisse und die Veränderungen, die das Jahr 1989 mit sich brachten, zu bekommen, zu verstehen und nachzuempfinden; gerade für junge Leute, die mit der Teilung nicht aufgewachsen sind.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch das DDR Museum nennen, welches zwar nicht an der Bernauer Straße liegt sondern an der Museumsinsel, das aber sehr gut in diesen Kontext passt, wenn man sich einmal einen historischen Tag in Berlin gönnen will.

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s