Fründliche Scherereien

Fründlicher Soll – Ist – Vergleich

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Wir sind frisch von einem kinderfreien! Wochenendtrip aus Berlin zurück. Natürlich steigen wir wie alle anderen Eltern auch ganz normal mit einem Montag wieder in die Woche ein, nur dass da noch eine Menge Eindrücke, Fotos und Wäsche verarbeitet werden wollen. Aber was soll’s, nach einem genialen Herbert-Grönemeyer-Konzert auf der Waldbühne, einem sommerheißen Schlendrian auf Berlins Straßen, Fahrten über die Spree und diversen touristischen Topadressen, kann man so einen schlicht und ergreifenden Alltags-Tag ja auch wieder genießen.

Plan für heute,

Montag, den 15.06.2015:

  • Wäsche sortieren und waschen
  • KrimsKrams aus Koffer entfernen, reinigen und auf den Dachboden bringen
  • einkaufen!
  • ein frisches und gesundes Mittagessen kochen
  • Hausaufgaben macht das Kind 1 selbstständig nach dem Mittagessen,
  • währenddessen ich Kind 2 ein schönes Buch vorlese.
  • Kind 2 bei Freundin abgeben,
  • dort noch kurz ein gemütliches Schwätzchen halten
  • danach mit Kind 1 zum Kinderarzt
  • dann Kind 2 wieder abholen
  • Abendbrot machen
  • Kinder ins Bett bringen
  • 20.00 Uhr Ausklang des Tages

Realität

09.00 Uhr. Die Küche ist aufgeräumt. Mir fällt siedendheiß ein, dass ich für dieses Jahr noch ein paar Facharzttermine ergattern muss. So begebe ich mich in diverse Warteschleifen. Aus einer werde ich zweimal herauskatapultiert ins akustische Nichts. Immerhin bekomme ich sofort wieder eine freie Leitung und kann mein Anliegen dann auch zum dritten Mal vorbringen. (Übrigens verlinke ich an dieser Stelle mal kurz auf einen etwas länger zurückliegenden Post zum Sinn vom Warten.) Die Termine, die ich für mich und/oder meine Kinder ergattere, liegen verblüffenderweise alle noch in diesem Jahr. Einen Augenarzttermin bekomme ich zwar erst am 05.11. 2015, aber immerhin konnte ich die nörgelige Sprechstundenhilfe von der Dringlichkeit überzeugen. Nebenbei habe ich Mails gelesen und beantwortet, To-Do-Listen geschrieben und wieder verworfen, Termine im Familienkalender eingetragen und Warteschleifenmusik gefrönt. 11.00 Uhr. Weil ich grad so schön eintelefoniert bin, habe ich auch noch mit diversen anderen Leuten gesprochen, um die Kinder während der Sommerferien in meiner berufstätigen Zeit möglichst mit angemessenem Spaßfaktor unterzubringen. Es wird zwölf und zwölfer. Der Kühlschrank ist leer. Das Mittagessen beschränkt sich  auf Spaghetti mit Tomatensoße, Mais und Champignons. Es ist 12.30 Uhr. Bald ist Schulschluss. Kind 1 (heute mit Fahrrad unterwegs) ist weder in Sicht- noch in Hörweite. Schulschluss ist vorbei, meine Geduld auch. Es wird 13.00 Uhr, es wird 13.10 Uhr. Ich beschließe, Kind 1 zu suchen, ohne mich aufzuregen. An der Schule werde ich schon auf dem Sportplatz von ein paar Jungs lautstark darüber informiert, dass Kind 1 seinen Fahrradschlüssel nicht wiederfindet und der wahrscheinlich geklaut sei. Ein aufgelöstes Grundschuldkind erwartet mich in professioneller Begleitung des Hausmeisters in der Klasse, wo wir gemeinsam nochmal jede Tasche und jeden Tisch untersuchen. Der Schlüssel ist weg. Fahrradschloss wird mit der Zange durchgekniffen und wir können endlich um halb zwei nach Hause fahren. Wütend berichtet mir Kind 1, dass es noch so und soviel Seiten in einem verhassten Rechtschreibheft erledigen müsse. So und soviel Seiten kosten uns 2 Stunden Nerven und Zeit nach dem Mittagessen, da sich auch Kind 2 (Ki-Ga-Kind mit ambitioniertem Geltungsdrang) an den Hausaufgaben beteiligt. Innerlich summe ich mein liebstes Westernhagen-Lied „Es geht mir guuut, es geht mir guuuut…“. Endlich können wir uns auf den Weg machen: 15.45 Uhr. Kind 2 verwickelt mich in eine lebhafte Diskussion darüber, ob Sandalen oder feste Schuhe angemessen wären. Politisch korrekt, wie es sich für die Opposition gehört, nimmt Kind 2 in dieser Debatte konsequent die jeweilige Gegenposition ein. Die mütterliche Koalition erteilt einen Freistellungsauftrag: „Mach doch, watte willst, aber beschwer dich hinterher nicht“. Die Zeit drängt. Kind 2 wird bei Freundin untergebracht. Ultrakurzer Schwatz mit Freundin. Auf zum Kinderarzt. Dort Warten, Warten, Warten …

Um 17.45 sind wir wieder draußen. Plötzlich hat Kind 1 Hunger. Aber so was von. Wir versuchen noch einen Bäcker zu finden. Der einzige, den wir in Reichweite haben, macht uns die Tür um Punkt 18.00 Uhr vor der Nase zu. Nun ja. Kind 2 abholen. Ging schnell. Keine Warteschleife. Kind 2 war angenehmer Gast und darf wiederkommen. Na immerhin. Kind 1 muss immer noch so und soviel Seiten Hausaufgaben. Kind 2 hat jetzt auch Hunger und dreht den Kühlschrank auf links. Da is nix drin. Weder rechtsdrehend noch linksdrehend. Tiefkühlpizza aus dem Eisschrank. Bester alle Ehemänner trudelt auch wieder ein. Es ist 20.00 Uhr. Kind 1 muss noch den Ranzen packen, Kind 2 ist allein im Badezimmer. Ein feuchtes Wagnis. Um 21.00 Uhr ist die Kinderschar im Bett. Vorsichtig schleichen mein Mann und ich ins Wohnzimmer. Dann fange ich an, diesen Post zu schreiben. Tapsende Schritte auf der Treppe. Leise aber unverkennbar Kind 2. „Mama, mir ist eben eingefallen: Wir müssen noch den Zahn für die Zahnfee auf den Nachtschrank legen.“ begleitet von seinem unwiderstehlichen Lächeln. Es ist 22.00 Uhr. Der Kühlschrank ist leer, der Koffer liegt noch auf dem Flur, die Wäsche ebenfalls….Das Licht im Aquarium geht um 23.00 Uhr aus. Ich auch.

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4 Kommentare zu “Fründlicher Soll – Ist – Vergleich

  1. Weißt du was? Die Realität gefällt mir viel besser, als der Plan! Wäre das Leben nicht total öde, würde es nach diesem Plan ablaufen ;-)! Ich denke, so ein ganz kleines bisschen wirst du in dieser Woche noch von dem tollen Wochenende zehren!! LG übern Berg! Martina

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    • Auf jeden Fall zehre ich noch von dem Wochenende. Eigentlich kommt es erst jetzt richtig im Herz und Gefühl an. Wir waren so glücklich, dass das geklappt hat. Das ist nicht so selbstverständlich wie man vielleicht immer meint. Und dass Ihr mit mir über diesen planlosen Tag lachen könnt, finde ich super. LG Tanja

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  2. Liebe Tanja,
    ich muss mich Martina anschließen. Ich zumindest habe Deinen Tag genossen, aber in vollen Zügen 😉 Es war so herrlich zu lesen, dass man ganz vergessen hat, wie beschwerlich der Tag für Dich doch war. Zumindest über Langeweile konnest Du nicht klagen. Nimm es wie Deine Leser und schmunzele darüber 😉
    Aber Dein Wochenende war wirklich toll, drauf könnte man neidisch werden 🙂
    LG und morgen ist wieder ein besserer Tag – hoffentlich
    Astrid

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  3. Liebe Astrid,
    Neid…..wenn Du meine Füße sehen und fühlen könntest, quasi wenn du auf meinen Füßen laufen müsstest, dann würde sich der Neid (sollte er überhaupt ernsthaft vorhanden sein 😉 ganz schnell legen. Am Sonntag abend war ich der festen Überzeugung, nie wieder Schuhe anziehen zu wollen geschweige denn in ihnen zu laufen. 😉 LG Tanja
    Ich werde demnächst, wenn ich die Fotos gesichtet habe, mal ein bißchen berichten über dies und das, was wir dort erlebt haben.

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