Fründliche Scherereien

Der anstrengendste Tag in der Woche ist nicht der Montag

9 Kommentare

Es ist Sonntagmorgen 06.00 Uhr. Eben noch in friedlichem Schlummer vernehmen meine Ohren zunehmende Bewegung auf dem Flur. Nichts deutet auf das aufziehende Gewitter hin, welches in der nächsten Sekunde mal wieder den schönsten und entspanntesten Tag der Woche in ein familiäres Unwetter stürzt. Kind 1 (7,5 Jahre alt) seit geraumer Zeit im Besitz des Seepferdchenabzeichens, hat in freudiger Erwartung eines Schwimmausflugs beschlossen, meine hart erkämpfte Nachtruhe zu beenden. Seine Versuche leise das Elternschlafzimmer zu betreten, lassen an ein Elefantenjunges erinnern, das sich redlich bemüht auf Zehenspitzen zu gehen.

„Mama“ befeuchtet es leise flüsternd mein Ohr, „wann gehen die Kinder von den Müller-Meyer-Gerstenkorns denn heute schwimmen?“ „Weiß nicht,“ brumme ich entschlossen und präzise, „die rufen an!“ In der nächsten Stunde werden diverse Aktivitäten aus dem Kinderzimmer hörbar. Demnach fängt Kind 1 unüberhörbar an, seine Schwimmtasche zu packen. Langsam quäle ich mich aus dem Bett und betrete die Höhle des Löwen (das Zimmer von Kind 1), wo mich sofort und unvermeidlich der Schlag trifft. Mein Gehirn überschlägt sich beim Anblick. Mein Mund kann nicht aussprechen, was mein Auge verarbeiten muss. Linkerhand versperren die Reste eines raumgreifenden Wollfaden-Spinnennetzes den Weg zum kreativ übergequollenen Schreibtisch.  Auf dem Weg zum Kleiderschrank übersteige ich eine Kolonne aus gefühlten 500 Schleichtieren die sich ordentlich in einer Reihe hintereinander anstellen auf dem Weg zu einer imaginären Arche Noah. Leider hat das Schiff offensichtlich schon abgelegt, denn die Tiere stehen brav in einer Kolonne und sind an diesem Ort einer Versteinerung anheimgefallen. Bewegen dürfen sie sich auf keinen Fall! „Das habe ich sooooo schön aufgebaut.“ Zum Schluss blieb aber noch Platz für diverse Kleidungsstücke, die an Ort und Stelle so ausgezogen wurden, dass man bei Bedarf sofort wieder hineinsteigen kann. Der einzige Satz, der mir zur seelischen Verarbeitung am Sonntagmorgen zu Verfügung steht, lautet: „ Bei diesem Chaos gehst Du auf keinen Fall schwimmen!“. Herzzerreißendes Geheule ist die zu erwartende Antwort und ein flehendes: „Nach dem Schwimmen räume ich auf, gaaaaaanz bestimmt.“  Das unpädagogische Hin und Her findet sein Ende, als es um 08.00 Uhr an unserer Haustür läutet. Dort steht  Familie Müller-Meyer-Gerstenkorn tiefenentspannt, gut organisiert und propper angezogen, um zum Bespaßen ins Schwimmbad zu fahren. Wir verhandeln ein Teilziel und lassen unser Kind nach einem kleinen Frühstück (eiliges Kind: „Mit vollem Magen darf man nicht ins Becken springen…!“ Elternantwort: „Ja aber mit leerem auch nicht!“) ziehen. Während ich kurz kurz durchatme, kippt Kind 2 im Wohnzimmer sämtliche verfügbaren Puzzle aus, kommt dann mit einem Apfel aus der Fallobstkiste nach oben und zeigt mir stolz einen Wurm. „Bitte.“ entringt sich meinem Mund ein letzter Aufschrei, “bring den Apfel wieder in die Kiste zurück.“ Im Hinuntergehen höre ich noch die zärtliche Stimme meines zweiten Kindes: “So jetzt habe ich dem Würmchen Ei gemacht.“ Ich falle zurück ins Bett. Schönen Sonntag noch.

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9 Kommentare zu “Der anstrengendste Tag in der Woche ist nicht der Montag

  1. Jaaa, kenne ich – so oder ähnlich spielt es sich auch in unserem Hause ab. Mein Mann und ich dürfen oder sind – Gott sei Dank – nur Ohrenzeugen!! Lach!! Einen schönen Sonntag – kann ja alles nur besser werden!!! HIHIHI LG Martina

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    • Liebe Martina, jetzt komme ich endlich dazu, mal zu antworten. Wir waren ein paar Tage unterwegs ohne die Kinder. Die haben bei Oma und Opa übernachtet und dort selbstverstänlich viel besser aufgeräumt als bei uns. 😉 LG Tanja

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  2. Liebe Tanja,
    ich musste tatsächlich schmunzeln. Das erinnert mich doch sehr stark an gewisse Situationen in unserem Heim. Zum Glück ist diese Zeit vorbei ,- eigentlich aber auch ein bisschen schade. Unser Sohn ist inzwischen erwachsen und hat eine eigene Wohnung. Eine Studentenbude. Mehr braucht man nicht zu sagen 😉
    LG
    Astrid

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    • Liebe Astrid, ich bin auch schon sehr gespannt, wie unsere Kinder das Thema kreative Zimmergestaltung als Erwachsene so wahrnehmen. Zum Glück dauert es ja noch ein paar Jahre, solange werden sie noch ihre Zimmer und unser Leben immer wieder auf den Kopf stellen. LG Tanja

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  3. Liebe Tanja,
    Kinder sind schön, aber auch anstrengend. Man muss sie einfach lieben. Ich habe keine, aber schreibe gerne über sie. Demnächst habe ich bei den Reizwortgeschichten einen Dreiteiler mit einem kleinen Jungen. Liebe Grüße Eva

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    • Liebe Eva, auch als ich noch keine Kinder hatte, war ich gern mit Kindern zusammen. Es ist eine andere Welt, auf die man sich einlässt. Es tut gut, sich ein Beispiel an ihrer Unbedingtheit zu nehmen, aber als Eltern hat man eine ganz andere Rolle. Und das ist eben manchmal auch sehr anstrengend. WEnn man es mit Humor nehmen kann, wird es aber leichter. 😉 LG Tanja

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  4. Servus du Liebe,
    ja, manchmal ist das vielelicht anstrengend. Trotzdem ist es die Zeit, an die du dich eines Tages mit Wehmut zurückerinnern wirst. Also kannst du sie GLEICH genießen. Du hast zwei offenbar sehr kreative und sich mit sich selbst beschäftigen könnende Kinder, das ist ein großes Glück…
    Ich weiß nicht, ob du die AW auf deine Mail bekommen hast, deshalb füge ich sie dir hier nochmal ein:
    Hallo liebe Tanja,
    danke, dass du mir Bescheid gibst! Hm, seltsam, dass es mit dem Kommentieren nicht klappt. Hast du es schon an mehreren Tagen versucht? Denn manchmal gibt es ja so vorübergehende Probleme, die nach ein, zwei Tagen wieder ausgestanden sind (das liegt dann meistens daran, dass an irgendeinem der Blog-Systeme etwas gearbeitet wird). Bei mir sieht das Kommentarfeld bzw. der Bereich darunter jedenfalls so aus, dass man bei „Kommentar schreiben als: “ auswählt, ob man bei Google, LiveJournal, WordPress etc. ist, und dann sollte es eigentlich auch funktionieren… Sei bitte so lieb und versuche es noch einmal (ev. auch erst morgen) und gib mir dann abermals Bescheid…
    Und DANKE für dein Feedback zum Lipödem-Thema! Tja, ich habe lange hin- und herüberlegt, ob ich das wirklich in die Öffentlichkeit tragen will, aber andererseits ist es ja wirklich so, dass da noch zu wenig Info existiert, und wenn „man sich nicht outet“, bleibt alles beim Alten…
    Alles Liebe
    Traude
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    • Liebe Traude, wir waren jetzt ein paar TAge in Berlin und ich bin noch gar nicht dazu gekommen, Deine Hinweise nochmal auszuprobieren. Wenn ich die Fotos, die Eindrücke und die ganze Wäsche verarbeitet habe, komme ich nochmal auf Deiner Seite vorbei und versuche es noch einmal. Kann aber ein paar Tage dauern. LG Tanja

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  5. ich schaue schmunzelnden Auges in ein unheimlich kreatives Familienleben voller Sonne und Schatten das sehr normal auf mich wirkt. Lebendig und temperamentvoll treffen sowohl lachendende als auch weinende Augen aufeinander, ich schmunzle, wenn ich mich zurückerinnere in eigene Geschichten und Begebenheiten als die Kids noch “ flügge“ waren.
    Die zeit rast so schnell vorbei und ganz plötzlich hat sich alles verändert, sie sind erwachsen geworden und wollen aus dem haus, eigene ERfahrungen und vieleicht auch irgendwann Elternerfahrungen machen… schön, dass du all diese kleinen entzückenden manchmal auch „nervigen“ kleine Gebegenheiten aufschreibst, sie werden sie vielelicht eines Tages lesen und ebenfalls schmunzelnd geniessen wie ich..

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