Fründliche Scherereien

Lohnt es sich für Eintagsfliegen, morgens ein Tagebuch zu beginnen?

Ein Kommentar

Eine wunderschöne Geschichte zu diesem Thema findet sich auf einer Kinder CD, die sich mit Fragen des Lebens beschäftigt. Drei Tiere, die normalerweise nichts miteinander zu haben, kommen aufrund einer Notsituation in einem Wald zu einer ungewöhnlichen Freundschaft zusammen. Waldemar, ein kleines Eichhörnchen,  muss vor einem Waldbrand fliehen, wird von der Elster Kleopatra gerettet und zu einer alten Eiche am Waldrand gebracht, wo er die Bekanntschaft einer alten adligen Eule macht. Eulalia Hedwig Sophie Gräfin von Eichenhain-Uland haust dort in stiller Ruhe tagsüber. Zunächst jagt die Gesellschaft dieses großen Jagdvogels Waldemar schreckliche Angst ein, aber nachdem die Eule hoch und heilig verspricht, sich an ihm nicht zu vergreifen, werden die drei nach einiger Zeit Freunde und teilen sich nicht nur einen Ast sondern miteinander auch  ihre Ängste, Freuden und Fragen.

Auf der CD „Die 3 vom Ast und die Zeit“ machen sie die Bekanntschaft einer Eintagsfliege. Waldemar ist entsetzt. Lebt die Eintagsfliege wirklich nur einen einzigen Tag? Das kann doch kein Leben sein, meint er. Das sei ja schon zu Ende, bevor es richtig angefangen habe. Er wird von Eulia ordentlich zurechtgewiesen. Es ist alles eine Sache der Wahrnehmung. Für eine Eintagsfliege ist ein Tag eben ein ganzes Leben. Ein lohnendes obendrein. Sie kann es sich gar nicht vorstellen, dass man noch viel länger leben könnte. Für alles, was sie im Leben schaffen muss und/oder möchte, reicht ein ganzer Tag eben aus. Hoffentlich. Einfühlsam wird in dieser Geschichte das Thema Lebenszeit beleuchtet und auch Erwachsene finden hier ganz einfache Gedanken, die ein Bild vom Wert des Lebens vermitteln.

Ich stelle mir vor, wie es wohl für eine Eintagsfliege sein müsste, eine Galapagosschildkröte zu treffen. Vielleicht wäre es für sie im Vergleich so unmöglich über 100- 150 Jahre hinauszudenken, wie wir Menschen uns die Ewigkeit nicht vorstellen können.

Dazu fällt mir noch ein Spruch ein:

Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben,

sondern den Jahren mehr Leben zu geben.

(Verfasser unbekannt?!)

Ja auch für eine Eintagsfliege lohnt sich das Tagebuchschreiben. An einem einzigen Tag durchläuft sie einen ganzen Lebenszyklus. Sie wächst heran, lernt Gefahren auszuweichen, summt und brummt wahrscheinlich über Seen und Wiesen Sie ärgert mich auf der Terrasse beim Lesen und beim Mittagsschlaf, wenn sie mir um die Nase und die Ohren saust, um dann nach ihrer Sturm- und Drangzeit den Partner für’s Leben zu finden und mit ihm zuammen für Nachwuchs zu sorgen. Vielleicht sitzt sie am Ende des Tages genauso wie ich auf einer Bank im Sonnenuntergang. Dann wird sie immer schwächer und ahnt, dass die Sonne nicht noch einmal für sie aufgehen wird. Doch das ist okay, denn sie hat ihr Leben gelebt und ist zufrieden damit.

Die Geschichten von „den Dreien vom Ast“ sind schon lange als Hörspiel CD erhältlich. Geschrieben wurden sie von Eckhardt zur Nieden. Amüsamt sind die Abenteuer, die Waldemar und Kleopatra bestehen. Regelmäßig muss sich die weise alte Gräfin den Fragen und Streitereien der beiden „Grünschnäbel“ stellen, regelmäßig wird sie dann in ihrem heiligen Tagschlaf gestört und leicht genervt gibt sie doch immer wieder den drängenden Fragen nach und beantwortet sie mit Lebenserfahrung. Es fließt ausdrücklich christliches Gedankengut ein in diese Antworten, aber nie aufdringlich oder mit erhobenem Zeigefinger, nie peinlich oder arrogant. Manchmal kommt auch die Eule an ihre Grenzen, wie sie zugeben muss. Waldemar, der kleine Freche,  und Kleopatra, die stolze Elster,  sind die beiden jungen Draufgänger, die kindlich unverbraucht Abenteuer bestehen, sich kabbeln, streiten und doch wie Freunde immer wieder zusammen halten. Gedacht sind die Abenteuer für Kinder ab 4 Jahren. Eine ruhige und freundliche Erzählweise zeichnen die Hörspiele von der Eckhardt zur Nieden aus. Sie sind geeignet für Menschen, die mit ihren Kindern auch Lebensfragen nachgehen, christliches Gedankengut nicht scheuen und eine Alternative zu Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg suchen. 😉

 

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Ein Kommentar zu “Lohnt es sich für Eintagsfliegen, morgens ein Tagebuch zu beginnen?

  1. Liebe Tanja, bei der Überschrift hätte ich auf einen humorvollen Beitrag getippt, aber es kam ganz anders. Sehr berührend hast du uns die Sichtweise einer Eintagsfliege geschildert. Vielen Dank auch für den CD-Tipp. Das wäre durchaus etwas für meine Enkel.
    Als ich den Post las, dachte ich an das Wort Martin Luthers: Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen. Danke für den sehr zum Nachdenken anregenden Post! LG Martina

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