Fründliche Scherereien

Wetterkapriolen

6 Kommentare

Eines Tages las ich auf der Interplattform eines großen Webdienstes den Satz: „Nichts hebt die Stimmung so sehr, wie in der guten Stube sein Lieblingsvideo anzusehen.“ Danach konnte man sein Video des Monats wählen und natürlich einen tollen Preis gewinnen. Und was soll man auch machen, wenn das Wetter so schlecht ist, dass die nassen Katzen draußen vorm Wohnzimmerfenster Schlange stehen und Einlass begehren? Was tun, wenn der Regen nicht aufhören will und der Sommer nicht in Sicht ist? Ein gemütlicher Videonachmittag ist da sicher nicht schlecht, aber ist er das einzig Wahre? Ein ausgebuffter Sesselsitzer schreit an dieser Stelle selbstverständlich: „Ja was denn sonst?“ Endlich mal wieder richtig Chips essen! Action reinholen statt selber machen! Und dabei den gepflegten Winterpfunden ohne großen Aufwand noch ein paar „Do-it-yourself-Kilos“ dazu spendieren.

Doch müsste sich mit ein bißchen Kreativität nicht auch sonst noch etwas mit einem solchen Regentag anfangen lassen? Oder wie wäre es denn z. B. mal wieder gemeinsam mit den Kindern einen Kuchen zu backen?

Gesagt getan. An einem dieser verregneten Sonntage beschloss ich meinem damals 1 ½.-jährigen Kind zu zeigen, dass man einen Kuchen nicht nur im Sand, sondern quasi auch in echt backen kann. Das Interesse des Kindes hielt sich ausgesprochen lange; länger als das meiner mütterlichen Wenigkeit. Meine Motivation stagnierte schon kurz beim Zucker-in-die-Schüssel-geben, denn die Hälfte landete natürlich überall, vorzugsweise auf den nun süßlich knirschenden Fliesen. Die Begeisterung meines Nachwuches stieg im folgenden überproportional zu meinem beim Eierverrühren und steigerte sich noch beim Einfüllen des staubreichen Mehls. Irgendwo hatte ich mich beim Abmessen der Zutaten vertan. Dies merkte ich jedoch erst, als der Kuchen im Ofen nicht so recht aufgehen wollte. Außerdem hatte wohl ein kleines Wichtelmännchen die Backröhre noch ein bißchen höher gedreht als nötig. Das Ergebnis sprach in schwarzer übelriechender Konsistenz für sich.

Nachdem das kleine Assistentenkind sich gestenreich teigige Pampe in Gesicht und Haare geschmiert hatte, wohlgemerkt in seine und meine, beschloss es sein Arbeitsfeld zu verlassen. Mit einem energischen „Gacke an“ (Jacke an) empfahl es sich in den Garten zu seiner kleinen überdachten Hexenküche im Sand. Leise plätscherte feiner Regen auf das Foliendach und mein Kind präsentierte mir stolz seinen „Appelkuken“. Machart: Sand in die Form, umdrehen, draufklopfen, abheben, fertig. Gelingt immer und klebt nicht. So einfach kann’s gehen.

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6 Kommentare zu “Wetterkapriolen

  1. Oh ja, dieses: Komm, wir backen mal eben schnell einen Kuchen zusammen – Spiel ging bei mir vor Jahren ähnlich aus. Es war ein Enkelkind, das alles ‚leine‘ (alleine) konnte – aber leider doch nicht so ganz. Zucker, Mehl, Eier verbreiteten sich überall. Nur etwas davon war in der Schüssel zu finden. ABER: Eine gute Sache für einen verregneten Nachmittag. Da macht es ja auch nichts, mal wieder die Küche auf Vordermann zu bringen :-)!!! LG Martina

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    • Ja und vor allem, es sind Zeiten, die man so ja auch nie wieder bekommt. Hast Du schon mal Ostereier gefärbt mit 3-Jährigen? Oder mit Wasserfarbe gemalt? Alleine die Frage trieb mir vor drei Jahren noch den Schweiß auf die Stirn. Jetzt kann ich sie damit schon fast alleine lassen. Aber Geduld habe ich gelernt, das kann ich Dir sagen. 😉 Herzliche Grüße Tanja
      Wie geht es mit Deinem Sprachkurs weiter? Macht es Dir noch Freude?

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  2. Ach, war das jetzt schön zu lesen. Nicht aus Schadenfreude, nein, weil Erinnerungen hochkommen und weil ja auch irgendwann einmal Enkelkinder (ein paar Jährchen darf es noch dauern) kommen werden.
    LG
    Astrid

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    • Liebe Astrid, freu Dich schon mal drauf. Die Eltern werden sich auch freuen, wenn das Enkelkind dann auch in anderen Küchen „hausen“ geht. Und nicht nur in der hauseigenen. 😉 Liebe Grüße Tanja

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  3. Oh je, das ging ja daneben! Aber Hauptsache das Zusammensein mit dem Kind ist doch etwas Schönes. LG Eva

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    • Liebe Eva, es war eine der Begebenheiten, die ich nie vergessen werde. DAs teigbeschmierte unglaublich selbstversunkene Kind…das Chaos in der Küche…die friedliche Atmosphäre im Sandkasten…so süß! Viele Grüße Tanja

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