Fründliche Scherereien

Wo wachsen eigentlich Purzelbäume?

4 Kommentare

Tja eine interessante botanische Spezies wäre das: dieser Purzelbaum. Erinnert Ihr Euch noch an den Dackel, den ich als Kind so gefürchtet habe? (s. Post vom 11.03.2015 ) Vielleicht wächst dies Bäumchen dort, wo Purzel am liebsten sein Herrschaftsgebiet markierte. Oder dort, wo ich ihn am liebsten angebunden gesehen hätte. Das wäre dann ein Purzelbaum, der in einem kleinen westfälischen Dorf der 70er Jahre vor einem Tante-Emma-Laden sein Dasein gefristet hätte. Und wenn die Hinterlassenschaften dieses Hundes genauso giftig waren wie der Charakter, dann wäre dem Purzelbaum sicher kein langes gesundes Leben beschieden gewesen. Soviel zur Antwort auf die Frage oben.

Was ein Purzelbaum ist, weiß doch jeder (zumindest jedes Kind). Aber wo kommt das Wort eigentlich her?

Herkunft:

Das Wort Purzelbaum ist eine Zusammensetzung, die eigentlich „Sturz und Aufbäumen“ bedeutet[1]. Der erste Teil ist von purzeln abgeleitet, der zweite von sich bäumen (heute eher „sich aufbäumen“)[1]

In der Umgangssprache wird eine Rolle vorwärts auch als Purzelbaum (erste schriftliche Erwähnung 1571)[1], Kobolz, Kalabums, Kopsterbölter, Kusselkopf, Pusselkopp oder Kisselköpper bezeichnet.

In der Familie, in der ich aufgewachsen war, hieß das Ding „Koppsdabollsda“ (so jedenfalls habe ich es als Kind nach Lautsprache behalten). Vermutlich war es der o. g. Kopsterbölter. Trotzdem in meiner Erinnerung ist es der Koppsdabollsda und  ich nehme an, der war dem, was wir auf der Matte als Kinder produzierten, ähnlicher als ein Purzelbaum und noch ähnlicher als die Rolle Vorwärts, die es später im Sportunterricht nach bestimmten Kriterien zu bewältigen galt.

Der fründliche „Koppsdabollsda“ begann mit Kopf-zwischen-die Knie-klemmen und Abstand-zum-Bettende-Einschätzen. Denn so ein richtiger Koppsdabollsda galt nur als gestanden, wenn man auf der anderen Seite nicht vom Bett runterfiel. Danach kurzes Einwippen mit dem Po und dann Gas geben und vorwärts überschlagen. Geradeaus versteht sich. Gekonntes Einrollen von Händen und Beinen, dann Hochschnellen, auf die Füße kommen und den begeisterten Applaus von Omma und Oppa entgegennehmen. Jedes Jahr wollte so ein Purzelbaum neu einstudiert werden, ergaben sich doch durch das Wachstum der Arme und Beine immer neue Herausforderungen. Schiefes Abknicken ging gar nicht. Ich habe geübt, das kann ich Euch sagen. Abends, wenn kein Hahn mehr nach mir krähte und meine Eltern mich im sicheren Träumeland wähnten, probierte ich auf der herrlichen Sprungfedermatratze verschiedene Arten von Purzelbäumen aus.

So wurde ich, und das kann ich mit Fug und Recht behaupten, recht gut im Purzelbaumschlagen. Die nächste Stufe war es, auf verschiedenen Untergründen noch eine gute Figur zu machen, was sich im Sand ungleich schwieriger gestaltete als auf dem Rasen oder dem Teppich im Wohnzimmer. Damals hatte nicht jeder Garten ein Trampolin. Seine Spannkraft musste man schon noch aus dem eigenen Körper ziehen. Leider war meiner Karriere  als „Koppsdabollsda-Experte“ früh eine Grenze aufgezeigt. Ich war nämlich mit zunehmendem Alter nicht mehr schwindelfrei und musste mich oft nach einer längeren Übungseinheit mit Ohrensausen und Brechreiz auf’s Sofa begeben. Später wurde das wieder besser, aber die Jahre dazwischen habe ich kunstturnerisch nie wieder aufgeholt. 😉

 

 

 

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4 Kommentare zu “Wo wachsen eigentlich Purzelbäume?

  1. Das ich nur ein Dorf weiter wohne, merke ich heute wieder. Natürlich kenne ich den Purzelbaum auch unter dem Begriff.
    Nach meiner Lautschrift: Koppstabolta!!! Lach!!!

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  2. Pingback: Was es nicht alles gibt….. | Fründliche Scherereien

  3. Wie kommst du nur immer auf so köstliche Ideen?! Herrliche Formulierungen und witzige Gedanken zu einem eigentlich „unwichtigen“, dann aber doch so lesenswerten und interessanten Thema!
    Vielen Dank für diesen Lesespaß!

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    • Liebe Ulla, ich glaube, das liegt daran, dass ich krankheitsbedingt letztes Jahr gelernt habe, die kleinen Dinge wertzuschätzen und aus ihnen meine Lebensfreude zu ziehen. Und dann geht eine Schublade auf, die sehr viele Möglichkeiten bietet. Das Leben ist voller kleiner Kostbarkeiten, über die man sich ärgern oder amüsieren kann. Wenn es irgendwie geht, versuche ich es mit Humor zu nehmen. Ist manchmal harte Arbeit. Aber diese „Unsinnsfragen“ haben es mir im MOment angetan. Die bringen mein Gehirn in Schwung. Davon gibt es eine ganze Menge und ich versuche einfach einen Bogen zu schlagen. Manchmal gelingt es, und manchmal gelingt es nicht. Die Fehlversuche veröffentliche ich natürlich nicht. 😉 Danke für diesen schönen KOmmentar. Ich freue mich, wenn ich bei meinen treuen Lesern ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Dann habe ich alles erreicht, was ich mit diesem Blog erreichen will. Liebe Grüße Tanja

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