Fründliche Scherereien

Smoothie – Take it or leave it

4 Kommentare

Kürzlich erklärte mir eine Mutter beim Abholen augenzwinkernd, dass mein Kind noch nicht mit nach Hause kommen könne nach dem Spielen, weil es der Meinung sei, es müsse dringend noch ein „Smoothie“ essen.  Aha! Na gut! Nach kurzer Zeit war die kleine Wundermahlzeit gegessen und wir konnten heim. „Smoothie“…. Zahnärzte kriegen bei dem Begriff Haare auf den Zähnen. Als  ich das Wort zum ersten Mal hörte, assoziierte ich damit rein vom Wortklang her ein kleines Kuscheltier. Mittlerweile weiß ich, dass ich das mit den „Furbys“ verwechselt habe, aber zur Sicherheit lasst uns  lieber schnell mal Wikipedia fragen:

Smoothies (zu englisch smooth, „fein“, „gleichmäßig“, „cremig“) ist eine aus dem Amerikanischen stammende Bezeichnung für Mixgetränke aus Obst und Milchprodukten,[1] die frisch bereitet oder als Fertigprodukte verkauft werden. 

Weder in Deutschland noch in den USA gibt es eine lebensmittelrechtliche Definition, welche Getränke als Smoothie bezeichnet werden dürfen und welche nicht. Grundsätzlich dürfen alle Zutaten verwendet werden, die lebensmittelrechtlich zulässig sind. Der Verbraucher darf jedoch nicht getäuscht werden. Früchte, die auf dem Etikett eines Smoothies (auf der Vorderseite) in Wort oder Bild erscheinen, müssen einen „überwiegenden“ Teil des Produktes ausmachen.[7][8]

Es gibt also noch keine EU-Verordnung, die den Smoothie  (oder das Smoothie?) definiert. Immerhin: der Verbraucher darf nicht getäuscht werden! Ach,da bin ich aber froh. Das bedeutet also, ich darf meine Erdbeeren aus dem Garten mit dem Pürrierstab verquirlen und es meinen Kindern ohne schlechtes Gewissen als „Smoothie“ präsentieren.  Bis zu einem gewissen Alter macht das noch keine Probleme, aber spätestens ab 12 wird es schwierig. Ein junger Mann in diesem Alter wies den Tupperbecher mit Erdbeeren in cremiger Konsitenz von sich, denn er sei einfach zu erwachsen, um noch Erdbeerpüree zu essen. Wenn es nicht im Hochglanzplastikbecher daherkommt und nicht mind. 70 Cent pro Becher kostet, ist es eben kein Smoothie, sondern allenfalls Erdbeermatsche. Wie uncool!

Auch und gerade deshalb mache ich mir hin und wieder die Arbeit, etwas Liebe in den Erdbeermatsch hineinzupürieren. Übrigens gibt es allein auf  der Seite „Chefkoch“ im Internet 478 Smoothie-Rezepte. Wahnsinn. Ich wage zu behaupten, dass man unter dem Begriff „pürierte Fruchtmixgetränke“ nicht einen Treffer landen würde. Und was es da alles gibt: Das geht von den einfachen vertrauten Obst- und Früchtesmoothies bis zu den Spinat- und Zuchini-Smoothies. Meine Familie verweigert bis jetzt Zuchini. Das heißt, die eine Hälfte verweigert Spinat und die andere Hälfte lehnt Zuchini ab. Aber ich könnte ja auch mal einen Grünkohlsmoothie machen. Ein farbliches Highlight ist auf jeden Fall der Heidelbeersmoothie. Besonders hervorheben möchte ich den Grünen-Fitness-Smoothie. Sehr geeignet für jede Diät, denn allein der Anblick verdirbt einem schon den Appetit.

Bedeutet die Freiheit von der lebensmittelrechtlichen Definition denn jetzt im Umkehrschluss, dass man einfach alles miteinander verquirlen darf, was einem in die Quere kommt? Oder was schon immer mal wegmusste? Vielleicht kann ich ja auch einen Mettwurst-Smoothie kreieren. Oder wenn die Kinder zum Frühstück das Brot verweigern, schmeiße ich es einfach mit entsprechend viel Marmelade in den Mixer? Und schon müssen sie nicht mehr kauen. Wie zeit- und nervensparend…! Keine Brettchen, keine Messer, keine verschmierten Münder- und Tischdecken mehr, keine Kämpfe, keine Diskussionen. Alles wegpürieren und fertig. Und als Smoothie verkaufen! Voll cool!

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4 Kommentare zu “Smoothie – Take it or leave it

  1. Daumen hoch für deinen Post! Eine Modeerscheinung, die einfach toll klingt! Das muss gut sein, hört sich gut und soooo gesund an!!
    Einen schönen Sonntag! Martina

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  2. Nur Mixer und Glas bedürfen einer Reinigung, lach. Aber im Ernst mit Grünkohl soll das. Eine super Vitaminbombe sein LG Eva

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    • Liebe Eva, das glaube ich Dir aufs Wort. .Es klingt ja auch so. Aber allein der Gedanke, dass da Grünkohl drin ist……Da konzentrieren sich meine Abwehrkräfte gegen das Getränk, noch ehe das überhaupt im Magen angekommen ist. 😉 Es ging ja auch eher um das Modewort Smoothie. 😉 LG Tanja

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  3. „Das heißt, die eine Hälfte verweigert Spinat und die andere Hälfte lehnt Zuchini ab.“ – ja, grins, ungefähr so – oder ähnlich – hätte ich auch unseren Haushalt beschreiben können, als das mittlerweile 22jährige Tochterkind noch bei uns lebte. Sie mag Spinat, aber keine Zucchini. Mein Mann mag BEIDES NICHT („Fleisch ist mein Gemüse“), ich mag beiden schon. Aber als Smoothie, brrr, nein danke. Püriertes Obst in verschiedensten Variationen hingegen lieben wir alle. Immerhin!
    Soweit ich’s kapiert habe, ist das Besondere am Smoothie, dass da eben nicht nur Obst, sondern auch Milch, Yoghurt oder z.B. Kokosmilch mitverarbeitet werden, das macht das Ganze so „smooth“ – und dafür bin ich durchaus auch zu haben. Was die kleinen Plastikgebinde betrifft, da sag ich aber „nein danke, das kann ich selber besser und frischer und billiger“…
    Danke, dass du bei der diesmaligen Lachfaltenrettung mitgemacht hast – ich würd mich freuen, wenn du auch bei weiteren Rettungsaktionen mitmachst, bei dir werden die meisten Themen ja sehr humorvoll behandelt, da passt bald etwas :o)
    Hab eine schöne neue Woche!
    Herzliche Rostrosengrüße
    von der Traude

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