Fründliche Scherereien

Kann man aus einem Dackel einen Luftballon knoten? (Denn andersrum geht’s ja auch…)

8 Kommentare

Schöne Vorstellung, ich kenne eine Menge Hunde dieser Gattung, denen ich ein solches Schicksal zutraue oder von denen ich mir als Kind gewünscht hätte, sie hätten sich in einen Luftballon verwandelt und wären einfach entschwebt.

Meine Erfahrung mit Dackeln ist fifty/fifty. Der eine Hund, den ich als Kind kennenlernte, war ein wunderschöner brauner Langhaardackel, der im Tante Emma-Laden im Dorf meiner Oma sein Revier gegen jeden Eindringlich behauptete. Genauer gesagt war er eine Dackeldame, ach was sag ich, eine Hyäne in Dackelgestalt und hörte auf den irreführenden Namen Purzel. Jeden, der ihr über den Weg lief oder es wagte in diesem Laden einzukaufen, ließ sie erstmal strammstehen, um ihn zu begutachten. Sie bewachte höchstselbst die Kasse, indem sie auf den Kassentisch sprang, wenn man die Ware auflegen wollte, und einen mit giftigem Blick und Knurren zwar das Bezahlen derselben aber noch längst nicht das Mitnehmen gestattete. Auge in Auge mit dem kleinen Monster wagte ich meine Kinderhand nur langsam auszustrecken, während Purzel sichtliches Vergnügen daran hatte, mich zu ärgern.

Es sollte Jahre dauern, bis ein ungemein hübscher Rauhaardackel namens Karo dieses frühkindliche Trauma auflösen konnte. Karo war ein kleiner selbstbewusster Rüde unserer Nachbarin, der meine damalige Zweisamkeit mit meinem Mann durch seinen Charme bereicherte. Niemand konnte sich einem so durchtrieben liebevoll vor die Füße werfen und sich nach Herzenslust kraulen lassen wie Karo. Wenn wir aus dem Urlaub zurückkamen und unsere Terassentür das erste Mal „Klack“ machte, war er mit fliegenden Ohren und fröhlichem Jauchzen sofort zu Stelle, sprang auf meinen Schoß, klopfte mit dem Schwanz auf mein Bein und meldete seinen Besitz an diesem Platz an. Und so saßen wir dann in der Sonne und hatten es schön.

Karo war ein heißer Feger. Auch große Hunde hatten Respekt und Achtung vor ihm oder liebten ihn einfach. Er traute sich auch an die ganz großen Hündinnen heran und versprühte seinen männlichen Liebreiz. Es ist nicht ein einziges Mal zu Reibereien gekommen. Er war ein Sonnenschein unter den Hunden. Als wir aus der Wohnung auszogen, ließ ich einen guten Freund zurück.

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8 Kommentare zu “Kann man aus einem Dackel einen Luftballon knoten? (Denn andersrum geht’s ja auch…)

  1. Ich mußte schmunzeln, als ich Deine erfahrungen mit Dackeln gelesen habe, und ich kann sie nur bestätigen! Meine Tante ganz früher, die hatten auch einen Langhaardackel, der war so hinterlistig und giftig ….ich hätte nie einen Dackel haben wollen ….. bid dann ein Onkel von mir einen Rauhaardackel bekam, eine Seele von Hund, so lieb und brav. Aber, man darf nie vergessen, Dackel, die haben ihren ganz eigenen Kopf, die einen mehr, die anderen weniger :O)
    Ich wünsche Dir einen wunderschönen und glücklichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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    • Oh ja, auch Karo hatte seinen eigenen Kopf und sein Frauchen fest im Griff. 😉 Aber ich erinnere mich so gern an ihn und weiß noch genau, wie sich das angefühlt hat, wenn angesaust kam und sich quasi in meine HÄnde geworfen hat. Dir auch einen schönen sonnigen Tag LG Tanja

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  2. Ich habe deinen Blog durch Martina kennengelernt und folge ihm, sehr schöne Beiträge hast du. Bei mir war es ein Spitz im Nachbarhaus, der mich als Kind zur Verzweiflung brachte. Auch heute habe ich noch ein geteiltes Verhältnis zu Hunden,mag lieber Katzen. Liebe Grüße Eva

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    • Ich weiß ja nicht, wie alt Karo jetzt ist und ob er überhaupt noch lebt. Er müsste aber mindestens 15 Jahre alt sein. Ein ganz alter Herr also. Aber Hunde sind so unterschiedlich wie Menschen und man muss jeden einzeln kennenlernen. Ich weiß nicht, ob Katzen auch so eine individuelle Persönlichkeit haben. Hast du Katzen? LG Tanja

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      • Liebe Tanja, ich hatte 2 ganz liebe Miezen (einen Kater und eine Katze), die unterschiedlicher nicht sein konnten und Individualisten par excellence LG Eva

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  3. Wir hatten früher auch einen Dackel – ne, dass ist schon einmal falsch: Der Dackel hatte uns! Er war auch so ein Sonnenschein. Leider ist er vor ein Auto gelaufen. Wir haben immer gesagt, er hat Selbstmord begangen, denn wir ahnten schon, dass er sehr krank war.
    Dieser Hund hat, als ich mit einem Beinbruch wochenlang auf dem Sofa lag, stundenlang bei mir verbracht – ist nur für das kleine und große Geschäft nach draußen gegangen. Er war ein toller Hund, an den du mich heute erinnert hast. Danke dafür! Martina

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    • Liebe Martina,
      durch diese „Witzfragen“ hast du mich ja auch erst darauf gebracht. Das ist ja auch das Schöne am Schreiben und Lesen. Man hat soviel Dinge erlebt und in sich, man vegisst nur manchmal diese inneren Schubladen aufzuziehen. Aber es ist schön, wenn man mit diesen Erinnerungen (wenn es gute waren) auch die Gefühle, die dazugehören, wieder spürt. Warum sollen einem immer nur die schlechten Erfahrungen nachgehen? Bei den guten Erfahrungen kommen (hoffentlich) auch so gute Gedanken wieder hoch. Und wenn man so ein liebes und treues Tier neben sich gehabt hat, dann ist das etwas, was ans Urvertrauen rührt. Und das ist doch toll.
      Liebe Grüße
      Tanja

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  4. Pingback: Wo wachsen eigentlich Purzelbäume? | Fründliche Scherereien

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