Fründliche Scherereien

Fleischbeschau am Samstag

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In einem Supermarkt im Sauerland. Wir sind dort grad im Urlaub angekommen und machen unseren ersten Einkauf. Gegrilltes soll es sein. Ich wage mich am Samstag morgen an die Fleischtheke. Ein junges Mädchen, einsatzbereit mit der Fleischgabel in der rechten und Klarsichtfolie in der linken Hand, schaut mich mit einem wunderschönen diensteifrigen Lächeln an und fragt:“Was wollen sie?“ Hinter ihr kichern ein paar ebenso junge Verkäuferinnen vor sich hin. Ich deute (noch ein wenig benommen von der großen Auswahl) auf die Schweinesteaks und frage dann:“ Was sind das für Steaks?“ Sie lächelt immer noch, zuckt aber leicht zusammen und antwortet:“Ich glaube…äh…Huhn.“ (Hinter mir reihen sich Menschen mit Einkaufswagen sorgfältig in eine Schlange ein.)  Ich will gerade meiner Irritation Ausdruck verleihen, da kommt endlich aus den hinteren Reihen der Verkäuferinnengruppe Unterstützung.

„Kann ich helfen?“ fragte eine Kollegin von dem Mädchen leicht unwirsch. Ich wiederhole meine Frage. Sie guckt mich pikiert an und antwortet:“Schweinefleisch!“ Jetzt bin ich auch langsam verärgert und belle zurück:“Das weiß ich. Ich möchte wissen, ist das Nacken oder Hüfte oder was auch immer.“ „Ach so!“ Madame wird jetzt etwas kulanter. „Äh, ich meine…!“ Und dann zeigt sie auf mehrere Sorten gleichzeitig und erläutert, was sie zu meinen glaubt. Hinter mir stehen jetzt ungefähr zehn Menschen in der Schlange. Noch herrscht Ruhe. Aber der gemeine Sauerländer gilt ja sowieso als gelassen und wortkarg. Das junge Mädchen lächelt weiter hilfsbereit mit der Gabel in der Hand bereit zum Zustechen und Abpacken.

Nun treibe ich es auf die Spitze im Beratungsgespräch. „Aha. Und in was für Marinaden ist das eingelegt? Ist das eher scharf oder mild?“ Madame dreht sich um und schreit in die Katerkomben:“Oooolaf!!! Kannst Du mal ko-hom-men?“ Olaf ist ein weltgewandter junger dynamischer Mann, der sich händesäubernd dem Geschehen nähert. Und wieder wiederhole ich meine Frage, diesmal nach der Marinade. Ich wage nicht, hinter mich zu blicken, meine aber, die Schlange mit den Einkaufswagen hätte sich schon ein wenig aufgelöst. Nur die ganz Harten warten noch  darauf, dass sich auch jemand um sie kümmert. Mitterweile beschäftige ich drei Personen mit meinen Fragen. Olaf muss erstmal gucken, ist sich nicht so ganz sicher, weiß aber, dass die Steaks vorne (wahrscheinlich Nackensteaks) in einer Marinade eingelegt sind, die Kaffeepulver enthält. Die seien etwas schärfer. Madame hört aufmerksam zu und das junge Mädchen hat die Klarsichtfolie jetzt in der rechten und Fleischgabel in der linken Hand.

Ich fahre volles Risiko. „Geben sie mir doch von jedem eins.“ Erleichtertes Stöhnen hinter mir. Ich schaue mich um. Die Mannschaft mit dem Einkaufswagen direkt hinter mir kriegt sich gar nicht mehr ein vor Lachen. Der letzte in der Schlange hat es noch nicht mitbekommen und puhlt sich im Ohr. Dazwischen lange Hälse, die wissen wollen, wann es wohl weitergeht. Ein Kleinkind haucht Kussmünder an die Scheibe der Fleischtheke. Gleich überholt der erste Einkaufswagen mit quietschenden Reifen rechts auf der Standspur, befürchte ich. Na egal. Das Kompetenzteam  hinter der Theke löst sich auf. Olaf geht wieder in die Küche. Madame sieht, dass es noch mehr Kunden gibt und das junge Mädchen kann endlich auch was tun. Mit fröhlichem Lächeln fragt sie: „Und sonst noch was?“ Ich trau mich kaum. Doch dann sage ich: “ Ich hätte gern noch zehn Bratwürstchen.“ Kulanterweise verzichte ich darauf zu fragen, ob sie auch Käsegriller haben. Und nach den Inhaltsstoffen frage ich dann auch erst beim nächsten Mal. Da freue ich mich schon drauf.

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2 Kommentare zu “Fleischbeschau am Samstag

  1. Oh, ich kenne das. Wir essen nämlich nichts, in dem sich in irgendeiner Form ein Geschmacksverstärker verbirgt. Und mit dieser Frage, ob er in den Marinaden enthalten ist, sind die Damen und Herren auch stets überfordert. Inzwischen haben wir einen Metzger gefunden, der ohne arbeitet. Sogar eine Bratwurst ohne gibt es bei ihm. Und dann der Bäcker. Dort sind wir auch sehr beliebt, weil:
    Wir essen nichts, was mit vollem Korn gebacken wurde, weil wir es nicht vertragen können. Und da sind auch alle stets überfragt,
    denn wenn man nicht auf den ersten Blick erkennen kann, dass sich volle Körner darin befinden, dann weiß man es nicht und hofft,
    irgendwo eine genaue Liste mit den Inhaltsstoffen zu finden. Manchmal wird sie gefunden – und manchmal auch nicht :-)!
    LG Martina
    P.D.: Sehen wir uns am kommenden Freitag beim Frauenfest in der Haupt- und Sekundarschule????

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    • Bei einem Supermarkt, wo die Verkäuferinnen nicht Huhn von Schwein unterscheiden können, braucht man nach den Inhaltsstoffen nicht zu fragen. Ich dachte damals: Ich schlag lang hin. Ich suchte verzweifelt nach einem Angebot, wo das Verkaufspersonal dort überhaupt die Fleischsorte klar hätte benennen konnen. Die hätten mir da auch Elefantenfleisch als Rinderfleisch verkauft. Da hätte das Fleisch noch „töröhen“ können, das hätten die da auch nicht geschnallt. Und glaub mir, das ist alles genau so passiert. Während ich versucht habe, läppische Schweinesteaks zu kaufen, standen die anderen Verkäufer rum und niemand hat sich um die nächsten Kunden gekümmert. Einen Moment lang war ich der festen Überzeugung, einem Scherz mit der versteckten Kamera aufgesessen zu sein. 😉

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