Fründliche Scherereien

Jetzt tanzen alle Puppen…

Ein Kommentar

Kürzlich sinnierte Kind 2 über die Wochentage. Über dieses Sinnieren kamen wir auch zum Sams, dessen Wunschpunkte schon ich als Kind dringend häufiger gebraucht hätte. Die bezaubernde Geschichte von Paul Maar begegnete mir als erstes nicht als Buch, sondern als Aufführung der Augsburger Puppenkiste im Fernsehen. Und noch immer löst die behagliche Atmosphäre des Marionettentheaters wohlige Kindheitserinnerungen aus: Sonntagnachmittage vor dem Fernseher bei jeweils einer einzigen Folge, auf deren Fortgang man echt eine ganze Woche warten musste. Wenn sich die Türen der Puppenkiste schlossen, blieb viel Zeit, um im Anschluss die Geschichte mit den eigenen Spielsachen Revue passieren zu lassen. Zum Glück konnte ich auch meine Kinder für die Augsburger Puppenkiste begeistern. Für mich gehört die Darstellungsweise, die ruhige bisweilen langatmige Erzählweise des Puppentheaters eindeutig zur Kultur, die ich weiterreichen möchte. Es ist eine angenehme echte Alternative zu manch schrebbeligem 3-D-Adventure im Kino, welches meine Augen in seiner Größe und mit seinen schnell geschnittenen Szenen durchaus mal überfordert.

Vor einigen Jahren waren wir als Erwachsene noch ohne Kinder tatsächlich in einer Kindervorstellung der Puppenkiste, die zu der Zeit auf Tournee durch Deutschland war. Es war herrlich und hat uns schnell in seinen Bann gezogen. „Aladin und die Wunderlampe“ wurde gespielt. Viele Filme, darunter auch ein super Film von Walt Disney mit einem tollen Soundtrack, gibt es von diesem Märchen. Doch ein Marionettenspiel live ist noch einmal eine ganz andere Liga.

Und wenn ich mir die Fernsehshows von heute ansehe, dann habe ich den Eindruck: Eine Renaissance der Puppen an sich scheint gerade völlig angesagt. „Die Wiwaldi-Show“, Kabarett mit „Der Echse“, „Das Huhn“ von Michael Hazius, Das Kakerlakophon und der Bundesadler von Xtra 3.

In der Talkshow Tietjen und Hirschhausen geht Puppenspieler  Michael Reinl in einem Interview darauf ein, was die Faszination von Puppen und Puppenspiel ausmacht (auch für Erwachsene). Vielleicht kann man einer Puppe tatsächlich mehr sagen…Eine Puppe darf auch sagen, was Menschen öffentlich nicht zu denken wagen. Puppen entführen in die Welt der Kindheit, schaffen eine Atmosphäre von Vertrauen, sind niedlich und/oder frech und ganz so, wie die meisten sich nicht benehmen würden. Sie spiegeln Charaktere, Stereotypen und bedienen in der Satire nach Herzenslust Klischees, ohne wehzutun.

Die eindrucksvollste Puppe, die ich in einem Film gesehen habe, war übrigens „Wilson“ in „Cast away“ mit Tom Hanks.

 

 

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Ein Kommentar zu “Jetzt tanzen alle Puppen…

  1. Als Kind schaute ich immer die Augsburger Puppenkiste. Während ich jetzt schreibe, habe ich sofort die Anfangsmusik und die Bilder vor Augen. Danke für deinen Post, deine Gedanken zu diesem Thema und die Erinnerung an früher! LG Martina

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