Fründliche Scherereien

DIN Norm für’s Familienleben

Ein Kommentar

Lieblingssätze unseres Kindes 1:“Warte ganz kurz.“ Wohlgemerkt, man sehe und höre die Befehlsform. Während ich auf das Rufen meines Namens meistens antworte:“ Ich komme gleich!“ gehen meine Kinder selbstverständlich im umgekehrten Fall davon aus, dass ich „kurz“ warte auf sie. Und nicht, dass sie „gleich“ kommen. Nach kurzem Warten meinerseits (gefühlt ultrakurz auf der Gegenseite) fordere ich „Sofort“.  Nicht dass hier einer meint, dass dann auch etwas passieren würde. Der jeweilige rufende Elternteil vernimmt null Aktivität.

Während die Stimmlage auf Elternseite sich schärft, bleibt Kind 1  gelassen. Seeeehhhhhr gelassen. Kind 2 beginnt ein Ablenkungsmanöver: „Wann ist gleich?“, „Ist gleich eigentlich sofort?“ Oder „vielleicht sofort gleich?“ Was bedeutet in diesem Zusammenhang eigentlich „Jetzt sofort?“ Und was passiert, wenn kind nach „gleich“ noch 5 Minuten wartet? Ist „gleich“ dann schon vorbei? Und beginnt dann noch die „Jetzt-Sofort-Phase?“ Oder fällt die aus, weil Mama schon am Schreien ist?

Ist die „Anweisungsaufgabe“ vorbei, wenn das Kind eine Tätigkeit beispielsweise das Schuheanziehen erledigt hat, Mama aber gesagt hat, „Wir wollen gleich gehen, zieh dich bitte komplett an!“? Beginnt dann eine neuerlicher Aufbau der „Warte kurz“, „Gleich“, „Jetzt-Sofort“ und „Ergebnisphase“? Für jedes Kleidungsteil?

Wichtige prozessorientierte Arbeitsabläufe müssen da im Kinderhirn gebildet werden. Ein Qualitätsmanagementler für Materialfluss- und Logistikplanung hätte seine helle Freude an uns und würde sich wahrscheinlich eine goldene Nase verdienen bei der Optimierung unserer Argumentationskette und der praxisorientierten Anwendung. Für jede elterliche Dienstanweisung und die dazugehörige Reaktionsbandbreite des jeweiligen Kindes gäbe es ein dickes Orga-Handbuch. Und bei Verstößen gegen die Din-Norm muss man sich dann ja auch nicht wundern, wenn Sand ins Getriebe kommt. Die Folgen könnte man auf Seite 345 Absatz 1 Satz 1 der fründlichen Familienfibel nachlesen.

Vielleicht lassen wir es aber auch einfach beim herkömmlichen autoritären Erziehungsstil. „Du Kind, Ich Erwachsener! Ich zähl jetzt bis drei, und dann bist Du auf dem Baum! Los geht’s!“

 

 

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Ein Kommentar zu “DIN Norm für’s Familienleben

  1. Warte ganz kurz, bin gleich wieder da – also gleich halt …. Herrlich!
    LG Martina

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