Fründliche Scherereien

Buchempfehlung „Rosenjahre“ von Jasmin Tabatabai

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Eigentlich mag ich keine Lebensgeschichten von Schauspielern oder Schauspielerinnen. Irgendwie habe ich immer Angst, dass ich einem Fake aufsitze und beim Kauf nur die Kasse klingeln lasse, an der sich ein Name aber nicht ein ehrliches Leben gut verkaufen soll . Und gerade Autobiographien von jüngeren Menschen sind für mich immer mit einem gewissen Vorbehalt verbunden. Ein Leben vor der Lebensmitte biographisch zu ordnen, ist ein Wagnis, das nicht jeder eingehen sollte. Das Buch „Rosenjahre“ von Jasmin Tabatabai bekam ich geschenkt. Das Konterfei der Schauspielerin prangte auf dem Buchdeckel. In nachdenklich glücklicher Pose blickt sie seitwärts in ihre Vergangenheit oder was auch immer. Farbe des Umschlags: warmes Weinrot und Bilder in sepia mit rosé eingefärbt….na ja… was soll ich sagen? Ich zögerte, bevor ich mit der Lektüre begann. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass mich dieses Buch fesseln könnte. Soviel zum Thema Vorurteile. Es ging gar nicht so sehr um Jasmin Tabatabai selbst, sondern viel mehr um ihre Familie, eigentlich um ihre Mutter. Was zieht eine junge Frau Mitte der Fünfziger Jahre in den Iran? Natürlich die Liebe. Eine wunderschöne und interessante Geschichte über eine weltoffene junge Dame bekam ich serviert und lernte die Welt des Iran kennen, wie er vor der Revolution existiert hatte. Nichts war perfekt und logisch an diesem Land, aber dennoch war es freier, als mancher, der dort lebte, es empfunden hat.

Jasmin Tabatabai nimmt den Leser mit in eine moderne, gebildete nicht sehr religiöse Familie, die auch nicht zuviel Wert auf Konventionen legt. Die Tabatabais sind in den orientalischen Bräuchen verwurzelt, im Umgang mit ihnen aber durchaus offen und pragmatisch. Es ist witzig, befremdlich und exotisch dieses Leben, so ganz anders als der Durchschnittsdeutsche zu dieser Zeit wohl lebte und dachte. Ist Rose (so heißt die Mutter) besonders mutig oder naiv, als sie dem 10 Jahren älteren Iraner in sein Land folgt und ihn dort heiratet? Wohlgemerkt: die Geschichte spielt in den 50 er Jahren. Da existierten die Grünen mit Muli-Kulti-Ansichten noch nicht. So manches Mal denkt man beim Lesen: „Ach“, „Aha?!“, „Na gut, ist eben eine andere Kultur..“ Aber genau diese Kultur mit all ihren Widersprüchen, Absonderlichkeiten und Beschwerlichkeiten macht dieses Buch spannend und nie geht es der Autorin um ihre eigene Selbstgefälligkeit. Sie erzählt eine Geschichte, die nur deshalb exotisch ist, weil zwei Menschen, die aus Kulturen kommen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, ihren Weg zusammen wagen. Es geht nicht um Gut-Will-Toleranz, über die man erst lange nachgedacht hat. Hier haben sich zwei junge Menschen einfach füreinander entschieden. Ganz am Schluss bleibt Betroffenheit, weil das Ende der Freiheit im Iran auch das Ende der Ehe bedeutet. Die Familie flieht vor der Revolution und der Vater wird völlig entwurzelt.

Es geht nicht um Religion in diesem Buch. Tabatabai versucht auch nicht, den Islam näherzubringen oder über eine Verständigung der Kulturen zu schreiben. Es ist einfach ein Leben, das beschrieben wird. In aller Klarheit und Lebendigkeit. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und das macht es charmant und lehrreich zugleich.

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