Fründliche Scherereien

Reichtum

Ein Kommentar

Was sind wir reich beschenkt worden: Ein Tannenbaum, viele Geschenke, gutes Essen, ein warmes sicheres Zuhause, glückliche Kinder. Was wäre es schön, könnte es immer so bleiben. Weihnachten lädt uns ein, für einen Moment an diesen Wunsch zu glauben, ja vielleicht ein wenig Hoffnung mitzunehmen. Es gibt sicher auch Tannenbäume, unter denen nicht viel lag, unter denen gestritten wurde, getrauert wurde, weil ein wichtiger Mensch fehlte. Vielleicht gab es auch Weihnachtsstuben ganz ohne Tannenbaum und Geschenke entweder aus Geldmangel oder aus Mangel an Überzeugung oder schlichtweg aus Einsamkeit.

Kürzlich sah ich eine Dokumentation zum Thema „Weihnachtseinsamkeit“. Das hat mich sehr berührt. Den Gedanken, dass jemand diesen Tagen eine besondere Form von Einsamkeit zuschrieb, hatte ich noch gar nicht tiefer verfolgt. Eine Frau beeindruckte mich am meisten. Sie war gerade von ihrem Mann verlassen worden, ihre erwachsenen Kinder waren just aus dem Haus in eigene Wohnungen weit weg gezogen. Ein Leben in großem Umbruch, ein Weihnachtsfest allein. Doch sie stellte sich diesen Tagen mutig. Hin und hergerissen war sie zwischen dem Wunsch nach Alleinsein und dem Wunsch nach Gemeinschaft. Sie stellte sich auch der Frage, ob sie wirklich Besuch wollte oder ob sie es wagen sollte, dieses Alleinsein an den Festtagen zu gestalten.

Mir kam der Gedanke, ob wir Weihnachten nicht gesellschaftlich überhöhen in unserem Anspruch an heile Welt. In unserer Lokalzeitung äußerte ein Psychologe, jeder erwachsene Mensch suche immer wieder nach dem Weihnachten seiner Kindheit. Und fängt sich selbst in diesen Ansprüchen ein. Alles, was ein anderes Gefühl erzeugt, kann dann nur in einer Riesenenttäuchung enden. Ich fand es mutig von der Dame in dem Fernsehbeitrag, öffentlich zu bekunden, dass ihre heile Welt zusammengebrochen sei. Sie versuchte nicht, jemanden zur Verantwortung zu ziehen, Ansprüche an ihre Kinder zu stellen, die sie gefälligst aufzufangen hätten. Darf man an Weihnachten einsam sein und das auch öffentlich zugeben? Am Fest der Feste? Viele erfüllt es mit Scham, ihrer diesbezüglichen Bedürftigkeit Ausdruck zu geben. Sie frieren sich lieber innerlich ein unter Schein und Sein. Ich finde an Weihnachten darf man alles sein, in Gemeinschaft und auch ohne Gemeinschaft. Vielleicht gestalte ich die Feiertage, um mich in meiner Familie aufzuwärmen. Vielleicht werde ich auf mich selbst zurückgeworfen, kann das Alleinsein nutzen, um meinen eigenen Bedürfnissen nachzugehen, Fragen und Antworten für mein eigenes Leben reifen zu lassen. Wie auch immer: Weihnachten ist ein Fest des Mutes, eine mutige Zeit, die sensibel  macht. Dies zu akzeptieren ist nur der erste Schritt. Mutig ist, wer dieses Sensibelwerden nicht unter einer Decke aus Aktivität erstickt. Reich ist, wer aus dem Inneren die Kraft schöpfen kann, die man sich mit Geld nicht erkaufen kann. Solchen Reichtum wünsch ich Euch allen für das kommende Jahr.

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Ein Kommentar zu “Reichtum

  1. Sehr tiefgehende Gedanken hast du gerade eingestellt. Als ich sie las, dachte ich, Weihnachten und auch der Jahresurlaub haben etwas gemeinsam: Wir haben ganz große Erwartungen, die dann oft nicht erfüllt werden. Ich empfinde es auch so, dass Einsamkeit an diesen Tagen noch schwerer zu ertragen ist. Mein Anspruch an Weihnachten ist auch, mit der Familie zusammen sein zu können und das in Harmonie. Doch wenn wir uns das allererste Weihnachtsfest, die Geburt Jesu, einmal genauer betrachten, dann herrschte dort ein großes Durcheinander, beginnend mit der Suche nach einem Quartier. Doch jedes Jahr empfinde ich es wieder so, dass die Weihnachtstage etwas Besonderes sind. Es liegt eine eigenartige Stimmung über dieser Zeit, die für manche wohl schwer zu ertragen ist! Alles Liebe! Martina

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