Fründliche Scherereien

Figuren

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Mit dem Martinssingen ging es los. Und nun naht mit Riesenschritten „die liebe Weihnachtszeit, auf die die ganze Welt sich freut.“, wenn man dem Gedicht von Robert Reinick glauben mag. Und schon geht’s los. Kamen wir die ersten Jahre unseres Lebens noch locker mit Nikolaus und Christkind über die Runden, bevölkert mittlerweile jedes Jahr eine neue Figur unsere weihnachtliche Herberge. Rentiere aus Plüsch mit blinkenden Mützchen, Engelchen und Bengelchen, Schneehasen und Elche und singende Nikolaussocken. Kürzlich sah ich auf einer Internetseite sogar pinke Froschkönige als Tannenbaumschmuck. Quaaak. Kein Wunder, dass Prinzessinnen heute keine Frösche mehr erlösen. Einige Figuren kommen, einige verschwinden in der Versenkung. Manch älteres Semester wird sich vielleicht sogar noch an Knecht Ruprecht erinnern, den alten Kuttenträger mit der Rute, der durch den finsteren Tann strolcht und es auf böse Kinder abgesehen hat. Heute schwingt der Nikolaus auf den Feiern seine Rute selbst, hat eine enorme über 40-Stunden-Woche zu absolvieren, keine Zeit mehr sich durch alle Schornsteine zu quetschen und sich daher vorausschauend selbst zu Tausenden geklont. Die Studenten, die sich damit auf Weihnachtsmärkten, in Kaufhäusern und auf Betriebsweihnachtsfeiern ein wackeres Zubrot verdienen, danken es ihm. Doch genug der kritisch intellektuellen Betrachtung unseres Lieblingsfestes. Denn mal ehrlich: Haben sie uns nicht alle in mehr oder weniger ausgeprägter Form durch die Kinderzeit begleitet und ein wohliges Gefühl von kribbeliger Hochspannung beschert? Hat sich irgendetwas geändert an den leuchtenden Augen der Kinder, die das erste Mal auf dem Weihnachtsmarkt eine Apfelsine aus der Hand des bärtigen Mannes entgegennehmen? Und wollen wir am Heiligen Abend nicht alle noch einmal dieses Gefühl des einzigartig Geheimnisvollen erleben? Wir brauchen sie doch irgendwie unsere Weihnachtsmärchen, unsere Stiefel vor der Tür und unsere blinkenden Lichterketten. Und dabei immer schön auf den Adventskranz aufpassen: Denn ist das fünfte Lichtlein abgebrannt, ist die schöne Zeit vorbeigerannt.

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