Fründliche Scherereien


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Hoffnung

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Die einen riechen Gülle auf dem Acker

Ich atme Land, auf dem etwas wachsen wird

Die einen sehen Pferdeäpfel mitten auf dem Weg

Ich sehe ein Mädchen, das mit wehenden Haaren

das Glück der Erde auf dem Rücken Ihres Pferdes erlebt

Die einen vernichten die Raupen im Beet

Ich sehe den Schmetterling im blauen Himmel segeln

Ich sehe die Toten auch

Ich sehe das Virus auch

Ich sehe die Mutlosigkeit

Die Angst

Die Bedrängnis

Die Überforderung

Die Einsamkeit

Aber ich sehe auch

Helfende Hände

Höre auch

Gute Worte

Bekomme

Liebevolle Briefe

Habe

Zeit

Genieße auch

Ruhe

Und hoffe

Dass die Gesellschaft

Lernt

Tanja Fründ


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Schall, aber kein Rauch

Was tu ich mir da nur an?

Bevor ich Kinder bekam, wusste ich sehr genau, wie ich das alles genießen würde. Natürlich würde ich 6 Monate lang jede Nacht ohne Probleme aufstehen. Danach würde das Baby durchschlafen; jede Nacht.

Voller Freude und inniger Wärme beging ich das erste weihnachtliche Keksebacken mit einem 1-jährigen Stöpsel. Davon musste ich mich genau 365 Tage erholen.

Und nun bin ich in der elterlichen Vorhölle angekommen. Wo ich bin, möchtet ihr wissen? Nun, wo ich jetzt bin, ist nicht halb so schlimm, wie der Ort, an dem ich vorher war.

Es ist 18:04 Uhr und zur Zeit bin ich mit zwei zehnjährigen Kindern bei Mäckes. Aber ich nehme euch gern mit zu dem denkwürdigen Ort, zu dem wir heute um 13.45 Uhr aufbrachen.

Lasst uns eine kleine Zeitreise machen zurück auf die Uhrzeit 14:20 Uhr. Zu exakt diesem Zeitpunkt fahren wir 10 Minuten vor Einlassbeginn mit dem Auto schwungvoll vor die Einfahrt zum Parkplatz dieses supercoolen Spielparks.. Leider ist dieser durch eine Mega-Maxi-Baustelle gesperrt. Und zwar komplett. Unser Auto kommt abrupt zum Stehen und ein nicht allzu feiner Ausdruck entschlüpft meinen Lippen. Eine Burg im MIttelalter könnte nicht besser geschützt sein. Ausschachtung und Barrieren, Bagger und Rüttler auf der ganzen Breite. Nicht mal drübergucken kann man.

Nach intensivem Umrunden (immer rechts rum wie auf der Eisbahn) des in Frage kommenden Wohn- und Industriegebiets zum Parken, können wir unser Auto auf einem recht großen Seitenstreifen abstellen. HIer ist das Parken nicht nur erlaubt, sondern man hat auch keine Parkzeitbegrenzung . Jippieh! So schnell einen Alternativparkplatz erwischt! Die Kinder äußern Bedenken hinsichtlich der Laufweite, am Ende sei man schon zu k.o. zum Spielen, bevor es richtig losgehe. Doch nichts kann meine gute Laune trüben. Frohgemut wandere ich mit den beiden Spielkameraden vorwärts bis ich nach 200 m Fußweg die gefühlt 20 km lange Schlange vor dem Eingang des Spielparadieses sehe.

Mutig reihen wir uns ein hinter einer Kindergeburtstagsgesellschaft, die sich vor uns minütlich erweitert. Dieser und jener kommt wohl später, erfahre ich beim ungewollten Zuhören. Irritiert bemerke ich, wie sich vor mir dann aus der kleinen Gesellschaft innerhalb der Warteschlange ein größerer Knubbel bildet. Herzliche Willkommensgrüße an die nächsten ankommenden Gäste und Umarmungen werden ausgetauscht. Gemeinsam bläht sich die Gesellschaft weiter in der Schlange auf.  Vor meinem inneren Auge entsteht das Bild der gleichnamigen tierischen Verwandten , die ein zu großes Kaninchen verschluckt und nun Schwierigkeiten hat, selbiges zu verdauen.

Doch der Anchorman an der Kasse ist voll gut drauf, sodass die Warteschlange dem Kollaps entgeht. Und schon sind wir dran.Geistesgegenwärtig, professionell und als gutes Beispiel für die anderen ziehe ich schon mal einen Schein aus der Tasche und krame nicht! nach Kleingeld. Hey ich weiß, wie man solche Krisensituationen deeskaliert und sich als wahrer Menschenfreund positioniert.

Drinnen empfängt uns eine linde Geräuschkulisse, die aber schon ahnen lässt, worauf es hinausläuft. Ich lasse die beiden Kinder einmal probekreischen und versuche am Ende der Halle ein ruhiges Plätzchen für mich zu finden.

Der Saal füllt sich. Die Wahl meines Tisches ist suboptimal, denn in dieser Ecke schlagen die tosenden Schallwellen über mir zusammen, bis mir der Ohrenschmalz quirlt.

In der Nähe ist das Klo. Ich habe die Wahl zwischen einer stinkenden aber ruhigen Kabine und dem Status Quo. Kurzentschlossen muss ich mal. Ich bin kurz davor, mit dem Rauchen anzufangen. Diverse Whats-Apps von gutmeinenden Freunden und Kollegen, denen ich meine Verzweiflung kund getan habe, halten mich davon ab.  Als ich wiederkomme, hat sich die Szene verändert.

Ein „Affen-Geburtstag“ ist angekommen und der Oberaffe schickt schrille „uh uh uhs“ zu seinen Kumpanen, um sie auf den Kletterturm zu locken. Ich warte auf Tarzan, den Affenbändiger. Aber der steht bestimmt noch an der Kasse und hat den nächsten Warteschlangenkollaps ausgelöst.

Zu allem Überfluss kommen meine Kinder mit dem Hinweis, Kind 2 habe sich den Kopf gestoßen und zwar zweimal. Erst an der Stirn ganz doll, und dann in der Abwärtsbewegung noch einmal am Unterkiefer. Ich kann mir nur allzu gut vorstellen, wie es im Abgang einer Leiter zwischen zwei Sprossen hin und her geschlagen ist.

Unter dem Versprechen jetzt gleich zu Mäckes zu fahren – „und nein, Du fährst jetzt besser nicht mehr auf dem Karussell mit den schnell drehenden Tassen, in denen einem so schön schwindelig wird“ -schaffe ich den Absprung aus der Spielhölle.

Und nun sitze ich hier bei Mäckes mit zwei strahlenden und wirklich bis aufs Blut und in die letzte Zehenspitze glücklichen Kindern und lausche einem  leicht angetrunkenen Engländer, der über seinem Burger ein kurzes glückliches Lied anstimmt. Die Kopfschmerzen von Kind 2 sind wie weggeblasen.

Ihr habt doch auch Kinder,oder? Das ist ein tolles Abenteuer!!!! Ganz bestimmt!!! Wenn man sich ganz fest vornimmt, die Dinge des Lebens nicht allzu ernst zu nehmen und sich starke Nerven und einen guten Gehörschutz anschafft. Ach ja ein Seminar „Autogenes Training schadet auch nicht.

Es war ein einzigartiger Nachmittag! Und nun auf nach Hause!!!

Geschrieben und erlitten (und dabei nur ein ganz bißchen übertrieben)

Tanja Fründ

 

 

 


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Zeit der guten Worte

Weihnachten

 Hirten und Engel

Weihnachten ist ein Fest

des Schenkens

der Erwartungen

der Freude

aber auch

der Enttäuschungen

und Verwirrungen

Wir erwarten

Dinge

die wir nicht erfüllt bekommen

Wir erwarten Verbindungen

und erleben Trennung

Vielleicht sollten wir

zur Weihnachten

viel mehr Dinge lassen

als erwarten

Lassen wir das Trennende links liegen

lassen wir das hitzige Gespräch

für ein friedliches Nebeneinander-Schweigen

Lassen wir die Diskussionen

für den kleinsten gemeinsamen Nenner

Lassen wir doch einfach für ein

gutes Wort

alles stehen und liegen

Lassen wir Frieden einziehen

nicht einen Frieden, der alles verschweigt

sondern einen Frieden, der den anderen achtet

trotz aller Verschiedenheit

Lassen wir Heuchelei einer

friedvollen Klarheit weichen

wie die sternklare Nacht

in der die Hirten,

als Letztgeachtete die Ersten waren,

die das Kind sehen durften

Lassen wir äußeren Reichtum und

Bedeutsamkeit fahren

und nehmen wir alles, was wir erhalten

mit Dankbarkeit an

Denn nichts ist selbstverständlich.

(Tanja Fründ)


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Perfektion

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Ich liebe das Unperfekte

das angefangene Bild

das verlassene Haus

das eingestürzte Schloss

das verblichene Kleid

den abgeblätterten Rahmen

die Falten im Gesicht

die zerschlissene Decke

das gesprungene Glas

die knopflose Jacke

die zertanzten Schuhe

denn sie erzählen Geschichten

vom Hoffen und Leiden

von Lachen und Lieben

von Anfang und Ende

vom Leben

(Tanja Fründ)


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Infantile Gesellschaft

In der Pubertät werden die eigenen Bedürfnisse und die der Peer-Group oft in völliger Selbstverständlichkeit über das Allgemeinwohl gestellt und durchgesetzt. Vernunft hat Pause. So scheint mir die Pubertät wie eine Frühform des Lobbyismus.

Leider findet der sich heutzutage in ausgereifter Form sowohl in der Politik als auch in den Chefetagen wieder. Vielleicht sprechen wir deswegen so oft von der infantilen Gesellschaft, in der nicht richtig erwachsene gewordene Teenager im Kindergarten der Eitelkeiten immer noch den anderen die Bauklötze wegnehmen, damit ihr eigener Turm höher erscheint, und die sich bei Gegenwind in der Schmollecke verdrücken und ihre Wunden lecken, die sie durch ihr Handeln selbst herausgefordert haben.

(Tanja Fründ)